Spielfilm

Wie findet man den jungen Hape Kerkeling?

Julius Weckauf (M.) als Hans-Peter mit Ursula Werner als Oma Bertha und Rudolf Kowalski als Opa Hermann in „Der Junge muss an die frische Luft“.

Julius Weckauf (M.) als Hans-Peter mit Ursula Werner als Oma Bertha und Rudolf Kowalski als Opa Hermann in „Der Junge muss an die frische Luft“.

Foto: - / dpa

Oscar-Regisseurin Caroline Link und ihre Entdeckung Julius Weckauf über ihren Film „Der Junge muss an die frische Luft“.

Berlin.  Sie sind gut eingespielt. Buchstäblich. Vor dem Interview spielen Caroline Link und ihr „Star“ Julius Weckauf im Berliner Hotel de Rome Flummi im Zimmer. Auf dem Sofa herzt und knutscht die Regisseurin („Pünktchen und Anton“, „Nirgendwo in Afrika“) den Zehnjährigen wie eine Mutti. Was den, wie jedes Kind, vor fremdem Publikum eher geniert. Nähergekommen sind sich beide schon bei den Dreharbeiten von „Der Junge muss an die frische Luft“. Der Film nach der Autobiografie des Entertainers Hans-Peter „Hape“ Kerkeling über dessen Kindheitsjahre ist in den Kinos angelaufen.

Frau Link, ­warum drehen Sie eigentlich immer wieder Kinder- und Jugendgeschichten?

Caroline Link: Diese Stoffe finden einfach immer zu mir. Anscheinend liegt mir das. Obwohl ich nicht unbedingt sagen würde, dass das immer das ist, was mir am meisten Spaß macht. Aber es ist eine Arbeit, die mir nicht schwerfällt. Es macht Spaß, mit Kindern zu arbeiten.

Julius Weckauf: (grinst) In den meisten Fällen, was? (beide lachen)

Wie schwierig war es denn, den richtigen Darsteller für den jungen Hape Kerkeling zu finden? Es heißt ja, es soll mehr als tausend Bewerber gegeben haben.

Link: Ach, immer diese Geschichten. Wenn man ein kleines Mädchen sucht, dann melden sich ganz viele. Wenn man aber einen Jungen sucht, der Hape Kerkeling ähnlich sehen und auch noch witzig sein soll, dann melden sich nicht so viele. Die meisten habe ich gar nicht zu Gesicht bekommen, die wurden schon vorab aussortiert.

Weckauf: Ich hab die auch nicht alle gesehen. Wir wurden ja nicht zusammen eingeladen. In Köln waren wir drei. Da musste ich einen Tanz im Unterhemd hinlegen, da waren die anderen aber draußen vor der Tür. Zum Schluss in Berlin war nur noch ein anderer Bewerber mit dabei.

Link: Den Julius haben wir tatsächlich erst acht Wochen vor Drehbeginn gefunden. Das war schon knapp, da wurde auch ich langsam nervös. Er war anfangs beim Casting noch sehr zurückhaltend und eher schüchtern. Das hat sich dann glücklicherweise bald gegeben, mit jedem Vorspielen wurde er freier. Der Julius hat ein unglaubliches Sprachgefühl. Kinder können oft gut gucken, aber wenn sie sprechen müssen, wird es schwierig.

Julius, kanntest du Hape Kerkeling eigentlich schon vorher?

Weckauf: Ich kannte Horst Schlämmer aus dem Fernsehen. Ich fand den auch super. Aber ich dachte, der sieht immer so aus. Ich wusste gar nicht, dass den jemand anderes spielt. Das habe ich alles erst durch das Casting rausgekriegt.

Ist das komisch, jemanden zu spielen, der einem dabei zuguckt?

Weckauf: Nö, gar nicht. Der Hape war nur zweimal am Set, und er hat sich nie eingemischt. Der hat sich einfach zurückgelehnt und sich angeguckt, wie wir das gemacht haben. Aber er hat nie was gesagt (grinst). Kann also nicht schlimm gewesen sein.

Hat Hape Kerkeling eigentlich versucht, Einfluss zu nehmen auf den Film?

Link: In keiner Weise. Der hat sich völlig herausgehalten. Er hat mich sogar ermuntert, meine eigene Interpretation zu erzählen. Das sei leichter für ihn, wenn jemand von außen auf seine Familiengeschichte schaut, als wenn jedes Detail stimmt. Das hätte ihn viel mehr unter Druck gesetzt. Er sagte: „Mach einen Caroline-Link-Film draus!“

Julius, wie war das überhaupt, vor der ­Kamera zu stehen?

Weckauf: Eigentlich ist das total super. Doof am Drehen ist nur, dass man ständig wiederholen muss. Außer es sind Ess-Szenen! Szenen, in denen ich Kuchen essen musste oder reiten sollte, die hab ich gern gemacht. Und auch gern ganz oft.

Link: Julius hat die ganzen Requisiten weggefuttert. Der hat immer gefragt: Was wird mit dem Käsekuchen, wenn ihr mit dem Drehen fertig seid? Braucht ihr den noch? Kann ich den haben?

Und hast du jetzt Blut geleckt. Würdest du das gern weitermachen?

Weckauf: Ja, auf jeden Fall! Das wäre mein Traumberuf. Vielleicht bekomme ich jetzt auch eine Agentur! Das ist gut, wenn sich jemand mit dem ganzen Zeug auskennt.

„Der Junge muss an die frische Luft“ ab 6 Jahre, täglich im Abaton, Astor, Cinemaxx Dammtor/Harburg/Wandsbek, Elbe, Hansa, Holi, Koralle, Passage, UCI Mundsburg, Zeise