Kultur

"Planet Kigali" – gemeinsam in eine bessere Zukunft tanzen

Tänzer mit Motorradhelmen in „Planet Kigali"

Tänzer mit Motorradhelmen in „Planet Kigali"

Foto: Sinje Hasheider

Sinnliches Spektakel: Auf Kampnagel hatte das deutsch-ruandische Projekt über eine imaginierte Zukunftswelt Weltpremiere.

Hamburg.  Das Bühnenbild auf Kampnagel ist in Schwarz-Weiß-Kontraste getaucht, Nebel wabert die Bühne dramatisch zu. Aus den Ecken heraus betreten die Tänzerinnen und Tänzer mit verzierten Motorradhelmen den Raum, als wären sie soeben einem Raumschiff entstiegen.

„Planet Kigali“, die in der Hauptstadt Ruandas vorbereitete Weltpremiere der Hamburger Choreografin Yolanda Gutiérrez, des Dramaturgen Jens Dietrich und des ruandischen Regisseurs Dorcy Rugamba, spielt in einer imaginierten Zukunftswelt (Bühne: Jelka Plate). Einer Welt der Harmonie, in der Unterschiede aufgehoben sind. In der die gewalttätige, kolonial geprägte Vergangenheit in einem friedlichen Hier und Jetzt aufgeht. Auf der Bühne finden deutsche und afrikanische Tänzer zu diesem Zweck erst allmählich zusammen. Sie tun das nach einem Slow-Motion-Intro kraftvoll, häufig mit dem ganzen Fuß auftretend und springend. Gegensätze werden spürbar und untereinander verhandelt.

Der Abend teilt sich in fünf Ta­bleaux. Die Titel, angekündigt auf einer dreigeteilten Videoleinwand, klingen sehr poetisch, lassen den Betrachter aber etwas ratlos zurück. So geht es ­etwa darum, „Spuren zu folgen, die eine Erinnerung an einen Ort wachrufen, an dem man nie zuvor war“. Zu den treibenden, mit afrikanischen Rhythmen und Melodien durchzogenen Elektrobeats von Andi Otto tanzen die sechs Tänzerinnen und Tänzer des deutsch-ruandischen Ensembles in Duetten, schließlich in großer Formation. Dabei sind die Bewegungen vielfach eher Raumeroberung als virtuoser Tanz.

Zuschauer kann leicht die Orientierung verlieren

Das ausführlich im Programmheft dargestellte Konzept der Choreografie wird nur langsam konkreter, fassbarer. Es geht um Selbstbehauptung auf der Bühne, etwa wenn die ehemalige Neumeier-Schülerin Sarah Lasaki ihren Körper wie ein Perkussionsinstrument bearbeitet und dazu voller Stolz ihre Lebens­geschichte erzählt. Oder wenn der erfahrene ruandische Tänzer Evariste Karinganire mit traditionellem Kopfschmuck und beachtlicher Körperbeherrschung den klassischen Kriegstanz „Intore“ präsentiert.

Die Weltpremiere von „Planet Kigali“ ist ein sinnliches Spektakel, bei dem der Zuschauer allerdings leicht die Orientierung verlieren kann. Am Ende des Abends ist vielleicht eine Vorstellung davon entstanden, wie ein idealer Planet aussehen könnte. Doch noch ist der ein ferner Ort.

„Planet Kigali“ bis 16.12., jeweils 20.00, Kampnagel, Jarrestraße 20–24, Karten unter T. 27 09 49 49; www.kampnagel.de

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