Musik

Wird der Hamburger Pop-Preis Hans weiblicher?

Im Jahr 2012 wurde die Hamburger Band Tonbandgerät (Sophia Poppensieker, Ole Specht, Jacob Sudau und Isa Poppensieker, v.li.) als Hamburger Nachwuchs des
Jahres ausgezeichnet.

Im Jahr 2012 wurde die Hamburger Band Tonbandgerät (Sophia Poppensieker, Ole Specht, Jacob Sudau und Isa Poppensieker, v.li.) als Hamburger Nachwuchs des Jahres ausgezeichnet.

Foto: Jürgen Joost

Die lokale Musikauszeichnung will sich neu positionieren. Erstmals gibt es statt Preisträgern ein Branchentreffen.

Hamburg.  Sein zehntes Jubiläum hätte der Hamburger Musikpreis Hans in diesem November feiern können. Doch statt – wie seit 2009 – Popkünstler, Alben, Songs und Newcomer der Stadt zu küren, verschieben die Organisatoren die Gala samt der Auszeichnungen auf kommendes Jahr. Die austragende Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft, kurz IHM, möchte den Hans neu ausrichten. Daher lädt das Netzwerk die Popakteure der Stadt an diesem Donnerstag unter dem Titel „Hans up!“ zu einem reinen Branchentreff in den Mojo Club.

„Nicht nur die Musikbranche hat sich im Laufe dieses Jahrzehnts rasant verändert, auch die Bedeutung der Musikstadt Hamburg ist stark gestiegen. Diesen positiven Veränderungen wollen wir mit einem Relaunch des Musikpreises unter neuem Namen und mit neuem Konzept Rechnung tragen“, erklärt Christian Wiesmann, Booker beim Konzertveranstalter FKP Scorpio und Vorstandsmitglied der IHM. Zu dem im Wandel begriffenen Popgeschäft zählt zunehmend die Frage, wie Musik heutzutage wertgeschätzt wird. Wenn Alben nicht mehr auf Tonträgern oder im Download gekauft, sondern kostenlos gestreamt werden, welche Erlöse landen dann beim Musiker? Und was zählt die Kunst jenseits des Mainstreams?

Echo war stark in die Diskussion geraten

Der deutsche Musikpreis Echo war immer wieder stark in die Diskussion geraten, da sich seine Nominierungen hauptsächlich aus Chartserfolgen und Verkaufszahlen speisten. Dass dann, wie im April, ein Hip-Hopper mit ethisch höchst zweifelhaften Versen gewann, bedeutete letztlich das Aus für diesen nationalen Preis. Die hitzige Debatte um den Echo spiele für die Hans-Pause laut IHM jedoch keine Rolle.

„Es gibt keine direkte Verbindung zu der Diskussion um den Echo, die Entscheidung wurde davor getroffen“, heißt es seitens der IHM. „Im Gegensatz zum Echo war der Hans auch stets ein unabhängiger Jurypreis, bei dem die kreative Leistung zu hundert Prozent im Vordergrund gestanden hat.“ Die Qualität der Juryentscheidungen zeige sich zum Beispiel im langfristigen Erfolg von Gekürten wie der Hamburger Popband Tonbandgerät, Hip-Hopperin Haiyti oder DJ Helena Hauff, die den Nachwuchspreis gewonnen haben. „Dennoch zeigt das Beispiel Echo, dass es sich aufgrund der Veränderungen in der Musikbranche lohnt, über die Neuausrichtung von Musikpreisen nachzudenken.“

Wechselvolle Geschichte

Zwar stand der Hans nie dermaßen heftig in der Kritik wie der Echo. Doch die Hamburger Poppreis-Variante blickt ebenfalls auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Von Anfang an fragten Skeptiker, ob der Hans nicht auch Helga heißen könne. In Zeiten von #MeToo und Initiativen wie Keychange, die sich für mehr Gleichberechtigung im Popbusiness einsetzen, scheint eine rein männliche Preisbezeichnung antiquiert. Label-Chef Lars Lewerenz störte sich bereits 2010 an dem Namen.

Da er nicht mit dem Assoziationsfeld „Hans Albers“ und „Hanseatentum“ in Verbindung stehen wolle, zerhackte er die Trophäe für seine Plattenfirma Audiolith stilecht in Punk-Attitüde mit einer Axt. Andere Preisträger, wie die als „Künstler des Jahres 2017“ prämierte und umstrittene Rap-Crew 187 Straßenbande, erschienen im letzten Herbst gar nicht erst zur Verleihung. 2014 attestierte die „Zeit“ dem Hans gar eine „freundliche Bedeutungslosigkeit“.

Neuer Name und neues Konzept

Diese Beurteilung scheint angesichts des steten Engagements und des Zuspruchs zu tief gegriffen: 2017 kamen 600 Vertreter der Pop- und Kulturszene Hamburgs zum Hans in die Markthalle. „Mit ,Hans Up!‘ stellt die IHM die Vernetzung der Hamburger Musikwirtschaft, angrenzender Kreativbereiche und Medien in den Vordergrund, welche immer wichtiger Bestandteil des Hamburger Musikpreises war“, erklärt der Vorstand zum Branchentreff dieser Woche. Und so wird es im Mojo Club lediglich eine kurze Ansprache von Reeperbahn-Festival-Chef Alexander Schulz geben.

Wie sich der Musikpreis für 2019 aufstellt, das möchte die Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft in den kommenden Monaten entwickeln. Geplant sind: neuer Name, neues Konzept, neues Programm. Über Neuausrichtung und mögliche finanzielle Förderung führt die IHM derzeit Gespräche insbesondere mit der Kulturbehörde. Klar sei, „dass der Hamburger Musikpreis nur mit nennenswerter Unterstützung durch die Stadt überhaupt durchgeführt werden kann.“

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