Hamburger Musiker

Michy Reincke: neue CD und vier Konzert-Heimspiele

Heimspiel: Kurz vor Weihnachten spielt Reincke wieder im Tivoli.

Heimspiel: Kurz vor Weihnachten spielt Reincke wieder im Tivoli.

Foto: Michael Rauhe / HA

Auch das aktuelle Album lohnt sich. Reincke: „Die neue CD ist lässig und von unaufdringlicher Eleganz“.

Hamburg.  Wer den Namen der neuen CD von Michy Reincke wissen will, muss suchen. Auf der Rückseite des Covers sind die Satzzeichen „?!“ abgedruckt. Der Titel seines Werks? „Stimmt nicht ganz“, sagt Reincke beim Abendblatt-Termin in einem Café am Hofweg: „Dazwischen steht noch ein Leerzeichen.“ Also „? !“ wäre korrekt. „Der Name ist ein Symbol für die Unschärfe des Lebens“, erklärt der Hamburger Künstler. Nun neigt Reincke zu eher erratischen Titeln. „Hatte ich dich nicht gebeten, im Auto zu warten“, hieß seine 2014 veröffentlichte CD, was bei Marketingstrategen großer Plattenfirmen mit Blick auf Promotion-Touren akute Herz-Rhythmus-Störungen auslösen dürfte.

Aber von deren Wünschen hat sich Reincke schon vor vielen Jahren abgekoppelt. Mit seiner Frau Yvonne Paulien macht Reincke sein eigenes Ding – von der Produktion im familieneigenen Rintintin-Studio bis zur Planung der Konzerte. Kooperationen mit Streaming-Plattformen wie Spotify lehnt der 59-Jährige ohnehin strikt ab: „Dort werden künstlerische Werke wie Ware verramscht.“ Wer seine Musik hören will, muss also eine CD kaufen – oder eben in eines seiner Konzerte kommen, etwa heute Abend (19.30 Uhr, ausverkauft) ins Planetarium (alle Termine unter www.michyreincke.de).

Funkelnde Arrangements

Der Weg wird sich lohnen. „Die neue CD ist lässig und von unaufdringlicher Eleganz“, sagt Reincke über sein neues Werk. Das trifft es ganz gut. Die Arrangements funkeln, mit einen Flamenco-Element beim ersten Song verbeugt sich Reincke vor seiner andalusischen Wahlheimat, er lebt inzwischen mit seiner Frau auf einem Bauernhof in Ronda inmitten von zwölf Hühnern, fünf Pferden, zwei Hunden und einer Katze. Auf dem Hof hört Reincke auch gern klassische Musik, beim „U-Boot-Mädchen“, dem vielleicht schönsten Song, hat er sich im Refrain bei einer Mozart-Komposition bedient.

Wer die CD ein zweites Mal hört, mag kaum glauben, dass Reincke sie mit allen Instrumenten komplett selbst ­eingespielt hat. Bei seinen früheren Kompositionen verschickte er Tonspuren und Harmonien via Internet an befreundete Musiker, die dann ihren Part einspielten. „Dies hatte den kleinen Nachteil, dass ich dann nichts mehr ändern konnte“, sagt Reincke. Der Verzicht auf Kollegen hatte indes auch wirtschaftliche Gründe, die Produktion wurde deutlich günstiger.

Wie ein Handwerker bastelt er an den Texten

Bei seinen Texten verlässt sich Reincke wie eh und je auf sich selbst. Zuerst, sagt er, sei immer die Melodie in seinem Kopf, dann entstünden dazu die Verse in langer Detailarbeit. Wie ein Handwerker schraubt und bastelt Reincke an den Texten: „Hinter jedem Lied liegen 30 Zettel mit Notizen.“ Reincke hat kein Problem damit, seine Fans zu fordern. „Lola meint“ dürfte das erste Lied im deutschsprachigen Raum sein, das komplett im Konjunktiv geschrieben ist.

Aber keine Angst: Reincke gibt nicht den vergeistigten Oberlehrer: „In erster Linie sollen die Leute bei meinen Konzerten einen schönen Abend haben.“ Selbstredend wird er sie wieder ins „Taxi nach Paris“ bitten – sein bekanntester Song. Und auf seine Fangemeinde kann sich Reincke verlassen, obwohl seine Songs kaum noch im Radio gespielt werden. Seine drei Dezember-Konzerte im Tivoli sind allesamt ausverkauft.