Kino

Eine Hamburger Regisseurin ist auf den Hund gekommen

Regisseurin Sandra Nettelbeck mit Hauptdarsteller August Zirner.

Regisseurin Sandra Nettelbeck mit Hauptdarsteller August Zirner.

Foto: dpa

Die beliebte Filmemacherin Sandra Nettelbeck hat ihren aktuellen Film in ihrer Geburtsstadt Hamburg gedreht.

Hamburg.  Sandra Nettelbeck ist auf den Hund gekommen, und zwar wortwörtlich. Auf dem Plakat für ihren neuen Film „Was uns nicht umbringt“ sieht man neben dem menschlichen Hauptdarsteller August Zirner auch noch den tierischen, einen grauen Mischlingsrüden, der eine wichtige Rolle spielt.

Das Ensembledrama um einen melancholischen Psychotherapeuten ist hervorragend besetzt: Johanna ter Steege, Barbara Auer, Jenny Schily, Bjarne Mädel, Christian Berkel und Peter Lohmeyer sind in dem emotionalen Reigen zu sehen. Zirner hat schon in Nettelbecks Filmen „Bella Martha“ und „Sergeant Pepper“ Therapeuten gespielt, jetzt hat die Regisseurin und Drehbuchautorin ein Versprechen eingelöst und ihm eine Hauptrolle geschrieben.

Max (Zirner) gehört eigentlich selbst auf die Couch. Seine Frau ist eigensinnig, seine Patienten kommen mit allen möglichen Problemen zu ihm. Der überlastete Therapeut legt sich einen Hund zu, aber der ist ausgerechnet schwermütig. Es geht manchmal tragisch zu in diesem Reigen, manchmal auch sehr lustig, und das, obwohl die Regisseurin von sich sagt: „Ich mache keine Komödien im eigentlichen Sinne.“

Leseprobe mit Peter Lohmeyer

Vor den Dreharbeiten gab es eine Leseprobe mit Peter Lohmeyer und Johanna ter Steege. „Dabei habe ich gemerkt, was fehlt: der Sex. Wir mussten Haut sehen, ihre körperliche Beziehung sichtbar machen.“ Immerhin: Es gab keine Diskussionen um den Filmtitel. Das hat Nettelbeck schon anders erlebt. „Filmtitel sind oft entscheidend und schwierig. Ich habe deshalb schon viel Ärger gehabt. Ich wollte zum Beispiel nicht, dass mein Film ,Bella Martha‘ heißt. Bella ist nun wirklich nicht das, was mir zu der Frau einfällt. Es gab große Diskussionen.“ Den Erfolg des bezaubernden Films mit Martina Gedeck als Köchin hat der Titel jedenfalls nicht verhindert.

Sandra Nettelbeck hat ein besonderes Verhältnis zu Hunden. Schon in „Sergeant Pepper“ spielte so ein Vierbeiner eine wichtige Rolle. „Kurz vor Drehbeginn habe ich meinen ersten eigenen Hund aus dem Tierheim bekommen. Er war der Grund, warum ich mir wieder ein Auto gekauft habe – und jetzt auch noch ein kleines Haus auf dem Land. Vor Kurzem kam noch ein zweiter Hund zu uns. Ich liebe die beiden, aber ich fürchte, dass ich viel zu viel über sie rede, und sie können auch ganz schön anstrengend sein. Man fährt nicht mehr einfach mal irgendwo hin.“

Ihr tierischer Hauptdarsteller Buddy kommt aus St. Pauli. Nettelbeck hat ihn zufällig entdeckt. „Ich wusste gleich, dass er die Anforderungen des Drehs mit links schaffen würde. Er wurde allerdings immer fröhlicher, je länger er mit uns drehte. Von Schwermut ist also nicht mehr viel zu sehen. Aber er ist ein toller Hund!“

Drei neue Projekte

Aufgewachsen ist die 52-Jährige zunächst an der Gellertstraße in Winterhude. Später ging sie in die USA und kam zurück, um bei „Spiegel TV“ zu arbeiten. Dann zog es sie nach Berlin. „Aber Hamburg ist mir so vertraut, deshalb drehe ich hier besonders gerne. Außerdem passen die Figuren meines Films in ihrer Zurückhaltung und Isolation gut hierher.“

Zurzeit hat die Regisseurin drei neue Projekte in Entwicklung. Doch sie sind in der Warteschleife. „Erst einmal muss ich jetzt Geld verdienen.“ Das Filmemachen­ sieht sie differenziert. „Ich schreibe wahnsinnig gern Drehbücher, denn da ist die Welt noch in Ordnung. Dann kommt die entsetzliche Phase der Finanzierung.

Der Dreh macht wieder großen Spaß, trotz des enormen Drucks. Der Schnitt ist auch eine gute Zeit, weil Ruhe einkehrt – auch wenn man dort erst mal vor allem mit seinen Fehlern und Versäumnissen konfrontiert wird. Leider gibt es immer zu wenig Geld für Musik, obwohl sie so wichtig ist. Geschnitten habe ich den Film übrigens zu Hause – wegen der Hunde.“

„Was uns nicht umbringt“ läuft im Koralle, Passage, Schanzenkino