Hamburg

„Für James Bond bin ich zu alt“

Rowan Atkinson über seinen neuen „Johnny English“-Film, seine Paraderolle als Mr. Bean und Geheimagent 007

Hamburg.  Sein Markenzeichen ist die knautschfähige Mimik. Vielleicht kennen deswegen manche den britischen Schauspieler Rowan Atkinson nur in seiner Paraderolle als eigenwilliger Mr. Bean. Dass der 63-Jährige mehr zu bieten hat, zeigt seine dritte Agentenfilm-Parodie, die kommende Woche ins Kino kommt: „Johnny English: Man lebt nur dreimal“. Und seit 2016 spielt der Brite übrigens den französischen Kommissar Maigret – in einer ernsten Rolle. Ein Gespräch über Humor, Perfektionismus und Jane Bond.

Können Sie selbst über Ihren neuen Film lachen?

Rowan Atkinson: Das dauert noch. Ich finde, dass Filmemachen harte Arbeit ist. Es verursacht Stress, ich genieße das nicht. Ich mag das Drehbuchschreiben, den Schnitt, die Postproduktion. Aber vor der Kamera zu stehen? Nein. Wahrscheinlich, weil ich immer denke: Das kannst du noch besser. Das ist der Perfektionist in mir. Ständig versucht man, etwas zu erreichen, ohne es ganz zu hinzubekommen.

Und danach?

Wir sind gerade erst fertig geworden. Als wir uns den Film mit der Crew ein letztes Mal angesehen haben, habe ich mich beim Lächeln erwischt. Bis dahin war ich kühl und analytisch. Ich habe mich entspannt, als ich merkte, der Film funktioniert. Manchmal brauche ich aber Jahre nach der Fertigstellung, um über einen Film lachen zu können.

Im neuen Film geht es darum, ob Johnny English ein altmodischer oder zeitgemäßer Mensch ist. Wie sieht es da bei Ihnen aus?

Mal so, mal so. Ich bin ganz gut digital aufgestellt. Ich bin allerdings nicht in den sozialen Medien vertreten, denn ich will ein leichtes Leben haben. Die Leute, die dort unterwegs sind, scheinen mir nicht entspannt zu sein. Aber manchmal mag ich auch das Alte, man sieht es ja im Film. Etwa einen Aston Martin aus den 70er-Jahren. Es ist schwer, den nicht zu genießen. Und manchmal lese ich noch eine Zeitung – und freue mich darüber. Ich höre Musik noch von Vinyl-Scheiben. Ich kenne 19-Jährige, die Musik auch nur so konsumieren. Wie viele Leute in meinem Alter stecke ich irgendwo zwischen beiden Welten und bin damit glücklich.

Komödien sind heute oft anzüglich.
„Johnny English“ nicht.

Er ist sehr jugendfrei, oder? Das reflektiert meinen eigenen Sinn für Humor. Sowohl Johnny English als auch die Mr.-Bean-Filme sprechen besonders Kinder ab vier Jahren an und ihre Eltern. Die Leute dazwischen mögen Johnny English offenbar nicht so gern. Die 16- bis 28-Jährigen sind für diesen Humor normalerweise zu zynisch. Sie wollen lieber etwas Härteres oder Ordinäreres. Aber je mehr Filme wir darüber machen, desto größer wird die Zahl potenzieller Fans. Ich finde, dieser Film hat eine Energie und Konsistenz, die wir in den ersten beiden Filmen nicht erreicht haben. Wir hatten es nicht darauf angelegt, aber die Leute, die sich den Film elfmal pro Woche ansehen, sind oft nur zwölf Jahre alt.

Sie haben mal gesagt, dass Sie Mr. Bean als Person nicht wirklich mögen und deswegen auch nicht wollen, dass er alt wird. Wie sieht es da mit Johnny English aus?

Es gibt hier eine Szene mit Johnny und Bough, in der sie in einem französischen Café sitzen. Johnny blickt durch ein Fernglas auf die Yacht der Schurken. Ihre Unterhaltung hat nichts mit der Handlung des Films zu tun. Es geht um Bough, seine Hochzeitspläne und seine Frau, die bei der Marine arbeitet. Johnny interessiert sich dafür nicht die Bohne. Das ist eine Szene, die ich sehr lustig fand, als wir sie geschrieben haben: Sie zeigt, wie egoistisch und desinteressiert Johnny ist. Er will die Autos und die Frauen, ansonsten denkt er aber: Was geht mich das an? In dieser Hinsicht hat er viel mit Mr. ­Bean gemeinsam.

Es sieht aus, als würden wir wieder auf einen Kalten Krieg zusteuern. Agenten spielen wieder eine größere Rolle, es gibt sogar Giftangriffe …

Keine Ahnung, ich bin kein geopolitischer Experte. Mein Hauptinteresse liegt in der Redefreiheit, dafür habe ich mich immer wieder eingesetzt. Ich finde, die sozialen Medien sind in dieser Hinsicht eine Herausforderung, auch wenn ich sie selbst nicht benutze. Wir leben in einem Zeitalter, in dem schnell beurteilt wird. Redefreiheit bedeutet offenbar auch das Recht, Menschen zu kränken. Viele Menschen finden, es sollte genau andersherum sein. Man sollte das Recht haben, sich nicht kränken lassen zu müssen. Hier sind Ideale im Konflikt miteinander. In sozialen Medien kann man seinen Ruf ruinieren und Karrieren zerstören. Üble Witze, die man vor 25 Jahren gemacht hat, können zurückkommen und dich im Gesicht treffen. Es ist erstaunlich, wie übertrieben kritisch wir sind. Die Redefreiheit kann der Redefreiheit schädlich sein. Das ist ironisch.

Sollte der nächste Bond eine Frau sein?

Von mir aus. Man könnte es parallel laufen lassen: Jane Bond und James Bond. Ich habe da keine Präferenzen. Es könnte auch ein Schwarzer sein. Bond hat ein bizarres Konzept. Der Typ wurde in den 50er-Jahren für Romane geschaffen. Jahrzehnte später, der Kalte Krieg ist längst vorüber, ist er immer noch in seinen Vierzigern und lebt immer noch, wie kein realer Spion es je getan hat. Er war immer eine fantastische Übertreibung. Aber wir mögen es, weil es Fantasie und Spaß verbindet. Das Konzept ist über all die Jahrzehnte so gestreckt worden, dass es längst unwichtig ist, wer ihn spielt.

Kämen Sie auch für diese Rolle infrage?

Dazu bin ich wohl unglücklicherweise ein bisschen zu alt. Aber wie wäre es, wenn Jane Bond, James Bond, Jason Bourne und Johnny English sich zusammentun würden, um einen großen neuen Feind zu bekämpfen?

Was ist das Englischste an Ihnen?

Ich werde schnell verlegen und bin eigentlich ziemlich furchtsam.

Sie haben einmal gesagt, es sei typisch britisch, die eigenen Möglichkeiten zu überschätzen. Könnte das der Grund für den Brexit sein?

Die Jury tagt ja noch, wie man sagt. Wenn wir uns in einem Monat treffen, führen wir womöglich eine völlig andere Diskussion darüber. Das Ding bewegt sich so schnell und ändert sich ständig. Es ist ein bisschen wie bei Johnny English: Seine Ambitionen sind größer als seine Fähigkeiten.

„Johnny English: Man lebt nur dreimal“ läuft ab 18.10. in Hamburger Kinos.