Konzertkritik

Kim Wilde rockt mit ihrer Band die Große Freiheit

Kim Wilde tourt zurzeit durch Deutschland (Archivbild)

Kim Wilde tourt zurzeit durch Deutschland (Archivbild)

Foto: picture alliance/Revierfoto/Revierfoto/dpa

Den Fans machte die Musik ebenso Spaß wie der Sängerin. Ermüdungserscheinungen sind bei der 57-jährigen nicht auszumachen.

Hamburg. Ist das Kim Wilde, die da am Dienstag auf der Bühne in der Großen Freiheit steht? Oder ist es Doro Pesch? Aus zackigen Gibson-Explorer-Gitarren dröhnen Hardrock-Riffs, gleich zwei Schlagzeuge klopfen auf die Magengruben der 1400 Fans im nicht ganz ausverkauften Saal. Und Kim ... Doro? ... Wilde steht eingepackt in mehrere Schichten Leder und Nieten am Mikro und hält die dramatisch wehenden Haare vor den Ventilator, der mit Sicherheit vor allem die Funktion einer Klimaanlage hat.

Auch ihre Bandmitglieder, darunter ihr Gitarrist, Songschreiber und Bruder Ricky Wilde und ihre Backgroundsängerin und Nichte Scarlett Wilde, treten ganz in Schwarz, mit Sonnenbrillen und in Lederpellen an. Entsprechend rockig werden die ersten Songs „Stereo Shot“, „Water On Glass“ und „Never Trust A Stranger“ präsentiert. Wer die britische Sängerin, die in den 80er-Jahren große Erfolge feierte, später anerkannte Landschaftsgärtnerin wurde und 2006 mit „Never Say Never“ ein Comeback einläutete, in den Jahren 2007 oder 2009 in der Freiheit erlebt hatte, der hat vielleicht wieder ein modernisiertes 80er-Pop-Revival erwartet.

Zwei sehr unterhaltsame Stunden

Auch das neue Album „Here Come The Aliens“ ist alles andere als eine Rockplatte. Aber auf der Bühne werden nicht nur aktuelle Songs wie „Kandy Krush“ gehörig auf links und laut gedreht, auch Klassiker wie „Cambodia“ erklingen unerwartet kantig. Den Fans (die bei jedem 80er-Hit fleißig mitfilmen) macht das ebenso sichtlich Spaß wie Kim Wilde: „Zu touren ist eine Hardcore-Erfahrung für ein Landei wie mich“, aber Ermüdungserscheinungen sind bei der 57-jährigen nicht auszumachen.

Mit einem kleinen Akustik-Set wird kurz Atem geholt für das letzte Drittel mit „Chequered Love“, „You Came“, „You Keep Me Hangin’ On“, „1969“ und natürlich darf auch „Kids In America“ nicht fehlen. 1981 war das ihr erster Hit, und der reißt bis heute mit. Und nach zwei sehr unterhaltsamen Stunden geht es für einige Fans heiter weiter: Aus Gretel & Alfons und anderen Kneipen auf der Freiheit schallen Kims Hits auf die Straße. Sehr einladend.