Hamburg

Stiftermahl im Rathaus erbringt 230.000 Euro

Hamburg.  16.000 Euro für einen Probenbesuch bei Sir Simon Rattle in der Elbphilharmonie, 21.000 Euro für eine Führung durch das Metropolitan Museum in New York (Flüge und Übernachtung nicht inklusive!), 14.000 Euro für ein Dinner auf der Bühne des St. Pauli Theaters: Wenn Auktionspreise wie diese erzielt werden, ist wieder Stiftermahl der Hamburger Kulturstiftung. Und bei dem geht es in jedem Jahr um die gute Sache, die Unterstützung von jungen Künstlern sowie um Kinder- und Jugendkultur in Hamburg. Schon seit 30 Jahren. Mehr als 1600 Projekte wurden in dieser Zeit mit insgesamt etwa 13 Millionen Euro gefördert.

Zum runden Geburtstag der Stiftung hatte Leiterin Gesa Engelschall in den Großen Festsaal des Rathauses geladen und 260 betuchte Kulturfreunde kamen. In seiner kurzen Eröffnungsrede pries Bürgermeister Peter Tschentscher Kunst und Kultur als „unverzichtbaren Ausdruck einer offenen und toleranten Gesellschaft“ und dankte den Anwesenden für ihr bürgerliches Engagement. Das, so Gesa Engelschall, sei notwendig, um kreative Freiräume zu ermöglichen und künstlerischen Experimenten immer wieder eine Chance zu geben.

Wofür sich Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard ebenso bedankte wie die bildende Künstlerin Alice Peragine, die berichtete, dass sie ohne Förderung, etwa durch die Kulturstiftung, ihre Projekte nicht verwirklichen könnte. Und Moderator Moritz Neumeier ergänzte: „Das Brot des Künstlers sei der Applaus, heißt es immer. Nein: Das Brot des Künstlers ist das Brot!“. Applaus zahle nämlich die Miete nicht.

Danach war es dann Zeit für ein Menü aus Süßkartoffelsuppe, Schaufelbug vom Rind und Schokoladentarte mit Mango-Passionsfrucht-Eis, schließlich geht auch die Liebe zur Kunst durch den Magen. Für künstlerische Einlagen sorgten die Opernsängerinnen Lisa Florentine Schmalz und Pauline Jacob (Klavier: Hector Docx), der Akkordeon-Virtuose Vincent Peirani sowie Johann von Bülow, der stark bejubelt den Wolfgang-Borchert-Text „Schischyphusch oder der Kellner meines Onkels“ las.

Als um kurz nach 23 Uhr Gesa Engelschall zum abschließenden Digestif lud, war der Kassensturz bereits gemacht: 100.800 Euro erbrachte die von Katharina zu Sayn-Wittgenstein (Sotheby’s) geleitete Auktion, weitere 130.000 Euro kamen durch Spenden zusammen. Eine gute Nachricht für Hamburgs so freie wie chronisch unterfinanzierte Kulturszene.