HAmburg

Harbour Front: Gerhard Henschel und sein „Erfolgsroman“

HAmburg. Man ist geneigt, auch das so demonstrativ uneitle Outfit des Schriftstellers als einmalig zu erachten. Gerhard Henschel sitzt in einer Art Sackpulli auf der Bühne der „Cap San Diego“, und das ist mindestens so unprätentiös wie sein Erzählstil in der berühmten Martin-Schlosser-Saga, in der Henschel seit 2004 sein Leben nacherzählt. Und dieses literarische Projekt, das bei Hoffmann und Campe erscheint, ist unbedingt einmalig. Jetzt ist der achte Band, der „Erfolgsroman“, erschienen, Henschel stellte ihn gemeinsam mit Moderator Rainer Moritz auf dem Harbour Front Festival vor.

Er spielt kurz nach der Wiedervereinigung, einer Zeit, die der bemerkenswert provinzverliebte Schlosser nicht mehr in Berlin, sondern wieder in Niedersachsen verbringt. Henschel arbeitet quasi dokumentaristisch, und Personen, die in der Öffentlichkeit agieren, stehen mit Klarnamen im Buch. Und so taucht diesmal die Autorin Kathrin Passig im Romantext auf, und der auch live sehr unterhaltsame Henschel („Welch’ seltener Vogel war mir da ins Garn gegangen“) las, spürbar vom eigenen Lebenslauf amüsiert, von den amourösen Verwicklungen mit der damals jungen Dame. Einmal trägt er der nicht interessierten Kathrin einen Text von Ingeborg Bachmann vor. Kathrin stöhnt, „und später gewann sie den Bachmann-Preis“, so Henschel. Eine Ironie des Schicksals nennt man das wohl.