Hamburg

Besser kann ein Pop-Konzert kaum sein

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Heinrich Oehmsen

Musikalische Zeitreise mit Jeff Lynne’s ELO in der ausverkauften Barclaycard Arena

Hamburg.  Zum Schluss gibt es Chuck Berry. Mit „Roll Over Beethoven“ erweist Jeff Lynne einem Musiker seine Ehrerbietung, der entscheidend zur Entstehung des Rock ’n’ Roll beigetragen hat. Ohne Chuck Berry hätte es den Musiker Jeff Lynne nicht gegeben, obwohl dessen Songs sich vom ungeschliffenen Rock der 50er-Jahre ein ganzes Stück entfernt haben. Aber wenn man Lieder wie „All Over The World“, „Showdown“ oder „Don’t Bring Me Down“ auf ihren Kern reduziert, bleiben schlichte Beatnummern mit einem geraden Rhythmus übrig, tanzbar und mit Spurenelementen des Blues. Doch als Lynne zusammen mit seinen Kollegen Roy Wood und Bev Bevan 1971 das Electric Light Orchestra gründete, hatte er einen Mix aus Klassik und Rock im Sinn. Pop wurde damals opulent.

Beim Konzert in der ausverkauften Barclaycard Arena steht er mit zwölf Musikern auf der Bühne. Mit dabei sind drei Keyboarder, zwei Cellistinnen und eine Geigerin. Sie helfen ihm, den in den 70er- und 80er-Jahren kreierten Breitband-Sound mit den vielstimmigen Harmoniegesängen perfekt auf die Bühne zu bringen. Im Konzert ist zu hören, wie ausgeklügelt jedes Arrangement ist und wie perfekt Lynne es verstanden hat, aus einfachen Liedern große Popnummern zu machen, ohne sich dabei in langen Instrumentalpassagen zu verlieren. ELO-Songs dauern drei bis vier Minuten. Sie waren ideal für die Diskothek, den Schützenball und die Tanzschule und sie funktionieren bis heute. Schon bei „Evil Woman“, zweites Stück auf der 19 Nummern langen Setlist, springen viele Fans von ihren Sitzen, tanzen und singen mit.

Erst seit 2014 steht Jeff Lynne überhaupt wieder mit ELO-Songs auf der Bühne. 28 Jahre lang hat der Gitarrist und Sänger keine Konzerte gegeben, sondern nur Musik anderer Künstler produziert. Tom Petty, Joe Cocker, Randy Newman und Bryan Adams sind lediglich einige seiner Auftraggeber. Und dann war Lynne auch Teil einer Supergroup: 1988 und 1990 nahm er gemeinsam mit Bob Dylan, George Harrison, Tom Petty und Roy Orbison zwei Alben unter den Namen The Traveling Wilburys auf. In Hamburg erinnert er mit „Handle With Care“ an diese Formation. Mit dem schnellen Rocker „Do Ya“ hat er auch ein Lied seiner ersten, heute legendären Band The Move im aktuellen Repertoire.

Der Plan, den ELO-Sound so perfekt wie möglich auf die Bühne zu bringen, geht in der Barclaycard Arena auf. Die Band ist erstklassig eingespielt, und die Zuschauer gehen mit. Besser kann ein Pop-Konzert kaum sein.

( oeh )