Hamburg

Hamburgs neues Kulturzentrum

In Barmbek wird die künftige Heimat für das Junge Schauspielhaus und die Theaterakademie gebaut

Hamburg.  Es braucht noch viel Fantasie, um sich in den nackten Hallen mit all dem Beton und Stahl ein lebendiges Theaterzentrum vorzustellen. Aber so fängt schließlich jedes Theaterstück einmal an. Die Vision ist überaus verheißungsvoll. Nach langen Jahren der Planung, der Überlegung und des Verwerfens von Alternativen etwa in der Gaußstraße wird das Theaterzentrum am Wiesendamm nun endlich Realität.

Am 11. September hat der Hamburger Senat das Zentrum offiziell ­beschlossen. Ende 2019 sollen die Räume für die Mietereinbauten bereitstehen. Dann soll der Standort dem Jungen Schauspielhaus, der Theaterakademie Hamburg und dem Institut für Kultur- und Medienmanagement der Hochschule für Musik und Theater eine neue Heimat bieten. Ein Ort des Lernens und gleich daneben Gelegenheit, sich auszuprobieren, so die Idee.

Kultursenator Carsten Brosda wirkt hochzufrieden. Das Quartier habe eine dichte Kulturlandschaft mit Kamp­nagel, dem Museum der Arbeit, der Zinnschmelze und vielen jungen Familien im Stadtteil. Auch Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung, zeigt sich angesichts des Durchbruchs erleichtert und hofft auf Synergien und ein inspirierendes Umfeld.

Bauherr und Eigentümer der Immobilie ist die Sprinkenhof GmbH. In die Gebäudehülle, deren Hallencharakter bestehen bleiben soll, werden Leichtbauelemente integriert. Von der ­Gesamtfläche von 11.450 Quadratmetern sollen 9290 Quadratmeter Mietfläche genutzt werden, 5753 von der The­aterakademie und 3537 vom Jungen Schauspielhaus, der größte Teil jeweils im Erdgeschoss. Dafür investiert die Sprinkenhof GmbH 36,4 Millionen Euro, die Theaterakademie wird jährlich 860.000 Euro, das Junge Schauspielhaus 680.000 Miete zur Refinanzierung der Kosten zahlen.

Das Junge Schauspielhaus und die Theaterakademie werden nebeneinander Räume beziehen, mit separatem Eingang aber der Möglichkeit einer Verbindung im Innern. Das Junge Schauspielhaus kann einen großen Saal für 170 Zuschauer und eine kleinere Bühne für 70 Zuschauer bespielen. ­Direkt dahinter ist Raum für Lagerflächen und Werkstätten und im vorderen Bereich für Büros. Zwei Probebühnen bilden die Spielstätten größengleich ab. „Es ist schon besonders, wenn man ein Theater gründen darf, insofern ist das heute ein Feiertag“, so ein zufriedener Klaus Schumacher. Der Theaterleiter und Regisseur ist sich bei allem Erfolg seines Theaters auch der künftigen Aufgabe bewusst. „Wir müssen die ­Zuschauer hier ja erst gewinnen. Da ­habe ich große Hoffnung, weil sich Barmbek rasant entwickelt, dass das der günstigste Standort in Hamburg ist.“

Die Räume der Hochschule für ­Musik und Theater zeigen eine ähnliche Gestaltung. Hier ist ein großer Saal mit 180 Plätzen und ein kleinerer mit 90 Plätzen vorgesehen. Hinzu kommen fünf Probebühnen für den Regienachwuchs, sowie einer größeren für Opernproduktionen. „Davon haben wir jahrelang geträumt“, sagt Hochschulpräsident Elmar Lampson, der sich über die inhaltliche Verbindung mit dem Kultur- und Medienmanagement freut. ­Gemeinsam mit dem Musiktheater an der Milchstraße sei man gut aufgestellt.

Es ist bezeichnend, dass sich auch Vertreter angrenzender Theaterhäuser bei der Begehung zeigten, unter ihnen Isabella Vértes-Schütter vom Ernst Deutsch Theater, Amelie Deuflhard von Kampnagel und Andreas Lübbers, der nebenan sein Projekt Wiese e.G. vorantreibt. Vielleicht wird ja Ende 2019 Wirklichkeit, was Elmar Lampson prophezeit: „Der Name Barmbek wird einen neuen Klang haben.“