Hamburg

Zurück in die 80er-Jahre

Ein Laeiszhallen-Konzert mit dem Fine Arts Quartet eröffnet das International Mendelssohn Festival

Hamburg.  Niklas Schmidt hat dem diesjährigen International Mendelssohn Festival (IMF) das Motto „Andante cantabile“ vorangestellt. Das ist als Vortragsbezeichnung eigentlich unübersetzbar, rein wörtlich könnte es auf Deutsch „gesanglich gehend“ heißen. Es ist jedenfalls ein romantisches Feld, das sich darum herum auftut, und so bricht der Intendant schon im Grußwort eine Lanze für die Vergangenheit.

Beim Eröffnungskonzert konnte man sich locker um Jahrzehnte zurückversetzt fühlen. Vier Herren reiferen Alters – das Fine Arts Quartet mit dem Gastgeber am Cello – spielten das frühe Es-Dur-Quartett von Mendelssohn, als befänden wir uns noch in den 80er-Jahren oder so, jedenfalls bevor der frische Wind der Originalklangbewegung den Staub auch von der Rezeption romantischer Werke blies. Alles piekfein zusammen, hörbar gesättigt von vier Musikerleben voller Kammermusikerfahrung, bis auf Ausrutscherchen des Ersten Geigers blitzsauber – und zugleich in der Auffassung so altmodisch, als breitete heute jemand ein Spitzendeckchen über einen dackelbeinigen Beistelltisch. Ein paar dramatische Akzente, extreme Dynamiken oder Klangfarben jenseits des Üblichen hätten es schon sein dürfen. Dass Musikmachen damit zu tun hat, an Grenzen zu gehen, davon war nichts zu spüren. Fast schien es, als hätten sich alle auf den Nenner geeinigt: So kennen wir die Stücke doch schon immer. Und weil Schmidt bunte Programme mag, folgten drei Klavier-Nocturnes von John Field. Irina Zahharenkova spielte die Miniaturen empfindsam, mit viel Zeitgespür und arbeitete die Mehrstimmigkeit manchmal fast zu deutlich heraus.

Nach der Pause erklang tatsächlich ein Andante cantabile, aus dem op. 11 von Tschaikowsky. Den fast orchestralen Schluss machte Mozarts d-Moll-Klavierkonzert in Lachners Bearbeitung für Klavier, Streichquartett und Kontrabass. Pianist Alon Goldstein hatte einen hinreißenden Mozart-Ton mit schmelzendem Legato. Nur im langsamen Satz drehte Hörer bisweilen an der Tonspur im Kopf, um sich die Klangfarben der Holzbläser zu vergegenwärtigen, die der Musik ihre entrückte Aura verleihen.

International Mendelssohn Festival bis 23.9.; u. a. mit dem Auryn und dem Mandelring Quartett. www.mendelssohn-festival.com