Hamburg

Schockierende Bilder im Sekundentakt

Arte-Doku „Im Schatten der Netzwelt“ über Menschen, die Inhalte aus dem Internet löschen

Hamburg. Sie starren stundenlang auf ihren Computermonitor und müssen jeden Tag Hunderte Mal darüber entscheiden, ob ein Bild oder Film im Internet bleiben darf oder entfernt werden muss. „Content-Moderatoren“ sichten im Auftrag großer Internet-Firmen wie Google oder Facebook Unmengen an Material, um zu prüfen, ob die Inhalte gegen die Richtlinien der sozialen Netzwerke verstoßen. Filmschnipsel von echten Gräueltaten oder dem Missbrauch von Kindern sowie Aufrufe zu Gewalt werden mit dem knappen Sprachbefehl „löschen“ aus dem Netz genommen.

Einige dieser schockierenden Bilder, manche davon absichtlich unscharf gehalten, werden auch im Dokumentarfilm „Im Schatten der Netzwelt“ gezeigt. In anderen Fällen ist bis auf das angespannte Gesicht des Content-Moderators nichts zu sehen, aber die nicht herausgeschnittenen Töne aktivieren beim Zuschauer auf verstörende Weise das Kopfkino. Der Beitrag von Regisseur Hans Block ist für Kinder und empfindsame Gemüter ungeeignet.

Viele der Moderatoren halten nicht lange durch, manche werden depressiv, haben Suizidgedanken. „Ich habe Hunderte von Enthauptungen gesehen“, berichtet eine Mitarbeiterin über Filme, die von der Terrororganisation „Islamischer Staat“ ins Netz gestellt wurden.

Doch die Arbeit der Content-Moderatoren hat zwei Seiten, wie Hans Blocks Film zeigt: Die Grenze zur Zensur ist schnell überschritten. So wurden beispielsweise Karikaturen oder verfremdete Bilder von Politikern aus dem Netz gelöscht, die eigentlich als politische Satire anzusehen sind und somit unter die Meinungsfreiheit fallen.

„Im Schatten der Netzwelt – The Cleaners“, Dienstag, 21.50 Uhr, Arte