Berlin

„Nichtstun ist keine Option“

Natalia Wörner ist Schauspielerin und engagiert sich in der Kindernothilfe. Über eine Frau mit Haltung – und mit ein paar Falten, auf die sie stolz ist

Berlin. Es gibt eine Geschichte, die viel darüber aussagt, wie Natalia Wörner tickt und für was sie steht. Es geht um Fotos, um Falten und am Ende auch um #MeToo.

Da war diese große Fotoproduktion, neue Bilder für alles Mögliche wurden gemacht. Natalia Wörner sollte die Fotos hinterher freigeben, nur: Sie erkannte sich darauf nicht. Die Wangenknochen viel zu hoch, das Dekolleté zu tief, zu viel glatte Haut.

Die Schauspielerin, die Ende August einen neuen Teil der TV-Reihe „Die Diplomatin“ dreht, hätte sich über die Verjüngungskur freuen können, hätte einem – wie viele andere auch – scheinbar makellos aus Zeitschriften entgegenstrahlen können. Stattdessen machte sie eine klare Ansage: „Moment mal. So will ich das aber nicht.“

Wer sie erlebt hat, kann sich ihr Gesicht dabei vorstellen: Die Augenbrauen hochgezogen, dazu dieser verständnislose Zug um die Mundwinkel. Dieser Blick alleine reicht manchmal schon, um ein bisschen eingeschüchtert zu sein.

Die Bildagentur jedenfalls konnte dem nichts entgegensetzen, Argumente wie „das ist jetzt der Standard“ nutzten nichts. Die Bilder erschienen später ohne allzu aufwändige Nachbearbeitung.

Die Geschichte ist schon einige Jahr her, aber Wörner erzählt sie jetzt, weil das Thema, auch im Zusammenhang mit der #MeToo-Debatte, die in der Schauspielbranche ihren Ursprung hat, nichts an Aktualität verloren hat. „Sie dachten, sie tun mir etwas Gutes – ich hatte das Gefühl, sie nehmen mir ein Stück Authentizität, mit dem ich mich wohlfühle“, sagt die 50-Jährige.

Natalia Wörner vielleicht auch bald Produzentin

Es geht um Selbstbestimmung und auch um Machtmissbrauch. Der, sagt Natalia Wörner, zeige sich auch da, wo jemand dafür sorge, dass man so und nicht anders aussieht. „Es gibt Grenzen. Und wenn die überschritten sind, dann muss man auf den Tisch hauen.“

Die Schauspielerin ist sicher niemand, die Dinge mit sich machen lässt oder einfach nur zusieht. Sie hat eine Haltung, deutlich und selbstbewusst. Zur Branche, in der sie arbeitet, aber auch zu gesellschaftlichen Debatten und zu politischen Themen. „Nichtstun ist keine Option“, sagt sie dann – und deswegen tut sie einiges.

Mit der Kindernothilfe reist sie als Botschafterin seit vielen Jahren in Krisenregionen und setzt sich dort für Kinderrechte ein. Sie war in Thailand und Äthiopien, erst vor wenigen Wochen kam sie aus dem Libanon zurück. Ein „bestimmter Blick auf die Welt, der kritisch ist, der war immer da“, sagt sie.

Manches davon, was sie im Alltag beschäftigt, würde sie gerne auch mal beruflich umsetzen. Deshalb sucht die Schauspielerin sich ihre Projekte selbst aus. Eine „Mischung aus Eigeninteresse und Lust am Inhalt“, wie sie sagt. Neben den zwei Reihen, in denen sie seit mehreren Jahren regelmäßig im Fernsehen zu sehen ist – in der Krimireihe „Unter anderen Umständen“ und der Polit-Thriller-Reihe „Die Diplomatin“ – hat sie gerade einen Film über das rechte Milieu abgedreht. Und es gäbe da noch andere Ideen. Auch ihre Arbeit als Botschafterin der Kindernothilfe hat damit zu tun.

„Ich würde gern mal einen Film im Umfeld einer Nichtregierungsorganisation machen“, sagt Wörner. Einer, der aufrüttelt, über Menschen, die helfen, Situationen wie etwa die der Flüchtlinge im Libanon zu etwas Besserem zu machen. Demnächst dreht sie erst mal den nächsten Teil der „Diplomatin“, wieder in Prag, wo auch schon die dritte Folge spielte.

Es wäre einfach, an dieser Stelle, das Leben von Natalia Wörner mit dem ihres Partners Heiko Maas zu verknüpfen. Sie, die als Diplomatin Karla Lorenz auf der ganzen Welt Krisenfälle lösen soll und mal sagte, Außenminister zu sein, sei ein „Höllenjob“. Er, der genau diesen Job seit wenigen Monaten macht. Als hätte sich jemand das Drehbuch zu dieser Liebesgeschichte ausgedacht, über die viele Menschen reden, über die aber kaum jemand wirklich etwas weiß.

So soll es bleiben. Über Privates jedenfalls redet Wörner kaum. „Ich verstehe das Interesse an unserem Privatleben“, sagt sie. „Es gibt für mich aber gar keine Alternative, als das zu bewahren und fernzuhalten von allem Öffentlichen.“ Auch das hat etwas mit Haltung zu tun.