Lübeck

Von den Besten lernen

Die Meisterkurse gehören zum Schleswig-Holstein Musik Festival. Ein Besuch beim Trompeter Matthias Höfs

Lübeck. Es ist heiß und stickig in den Räumen der Lübecker Musikhochschule. Nur im großen Saal des Gebäudes lässt es sich aushalten, dort funktioniert die Klimaanlage. Auf der Bühne steht Matthias Höfs, leger im Polohemd und in Turnschuhen, und arbeitet mit einem Studenten aus Japan. Meisterkurs beim Schleswig-Holstein Musikfestival (SHMF). „You should play it more from here“, sagt Höfs zu Nishiuma Takeshi und zeigt auf das Brustbein des japanischen Trompeters.

Matthias Höfs ist Solotrompeter beim Philharmonischen Staatsorchester in Hamburg und Mitglied im Bläserensemble German Brass. Immer wieder lässt er Takeshi eine Phrase aus einem Ravel-Stück wiederholen, Höfs bläst die Passage, der Schüler wiederholt sie. Gemeinsam arbeiten sie sich durch das Stück. Sehr ruhig und mit viel unterstreichender Gestik erklärt Höfs einzelne Stellen, Takeshi malt mit dem Bleistift Anmerkungen in seine Noten. Wenn es zu sprachlichen Verständigungsproblemen kommt, übersetzt Sayaka Matsukubo, eine japanische Studentin von Matthias Höfs.

Nishiuma Takeshi ist einer von sieben Teilnehmern an diesem einwöchigen Meisterkurs in Lübeck. Er hat seine wenigen Urlaubstage genutzt, um aus Japan nach Norddeutschland zu reisen, um von Höfs unterrichtet zu werden. „In Japan spielt niemand so wie er. Ich wollte unbedingt von ihm unterrichtet werden. Nach nur zwei Tagen habe ich schon viele neue Dinge gelernt“, erzählt der Trompeter. Er ist mit 32 Jahren älter als die anderen Meisterschüler und auch kein Student mehr. Seit einigen Jahren hat er eine Stelle im Sinfonieorchester von Kyoto, nach Lübeck ist er gekommen, um sich technisch zu verbessern und von seinem Lehrer Anregungen zu bekommen. Matthias Höfs leitet beim SHMF zum ersten Mal einen Meisterkurs. Seit 2000 lehrt er als Professor an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater (HfMT).

„Bei einem Meisterkurs müssen die Teilnehmer zuerst gefragt werden: Warum bist du hier? Was ist dein Plan? Dann muss ich spontan analysieren, wie ich dem Studenten konkret helfen kann. Einige muss man erst einmal dazu bringen, locker zu werden. Anderen hilft man mit speziellen Übungen. Ich würde allerdings nie einem Studenten eine radikale technische Umstellung empfehlen. Dafür reicht eine Woche nicht aus. Wichtig ist, dass die Studenten ihre Baustellen erkennen und daran weiterarbeiten können“, erklärt Höfs. Diesen Meisterkurs gibt der Trompeter in seiner Freizeit, denn an der Staatsoper sind gerade Theater- und an der HfMT Semesterfeien. „Das Unterrichten macht mir viel Spaß. Es ist für mich auch wichtig, neue Studenten kennenzulernen“, sagt Höfs.

Wie zum Beispiel Benedikt Neumann. Der 23-jährige hat gerade seinen Bachelor-Abschluss in Trossingen geschafft, im kommenden Semester beginnt er seinen Master-Studiengang in Hannover bei Jeroen Berwaerts. Als er auf die Bühne geht und seinen japanischen Kollegen ablöst, ist eine gewisse Verkrampfung zu spüren. Matthias Höfs gibt dem jungen Mann Hilfestellung, um lockerer zu werden. Er selbst klopft den Takt mit den Füßen oder schnippt den Rhythmus mit den Fingern. Das wirkt lässig und überträgt sich auf den groß gewachsenen Musiker. „Schon viel lockerer als gestern“, lobt Höfs. Der Umgang zwischen Lehrer und Studenten ist herzlich, man duzt sich gegenseitig, eine Hierarchie ist nicht zu spüren, allerdings großer Respekt. „Ich habe gerade einige Übungen gemacht, die ich so noch überhaupt nicht kannte,wie die zur Pentatonik zum Beispiel“, sagt Neumann, nachdem sein Einzelunterricht beendet ist. „Es ist eine tolle Erfahrung, mit Matthias Höfs zu arbeiten und eine Ehre, überhaupt in diesem Kurs dabei sein zu dürfen.“

Auch ein paar HfMT-Studenten aus Höfs’ Hamburger Trompeten-Klasse nehmen an diesem öffentlichen Meisterkurs teil, um die Semesterferien zu überbrücken oder sich gezielt für anstehende Aufgaben zu präparieren. Zhassulan Abdykalykov zum Beispiel bereitet sich auf den renommierten ARD-Musikwettbewerb im September vor und holt sich von Matthias Höfs noch ein paar Anregungen. Der Student aus Kasachstan zählt in der Gruppe der sieben Meisterkurs-Teilnehmer zu den am weitesten Fortgeschrittenen. Er hilft bereits als Solotrompeter in der Staatsoper aus. Auch der Franzose Matthieu Chpelitch möchte von Höfs Rückmeldung und Tipps, wie er seinen Stil persönlicher machen kann. Höfs rät ihm zu experimentieren und seinen Klang flexibler zu gestalten, bevor sie gemeinsam eine Übung zur Akzentsetzung beginnen. Immer wieder greift der Lehrer in die Lektion ein, fordert exaktes Spiel und geizt nicht mit Lob, wenn Chpelitch die Vorgaben umsetzt.

Während Höfs am Vormittag Einzelunterricht erteilt, probt der Pianist Stephan Kiefer in einem anderen Saal Stücke mit den Musikern, die am 5. August zum Abschluss des Meisterkurses aufgeführt werden. „Wir wollen präsentieren, was wir im Laufe der Woche erarbeitet haben. Es wird ein buntes Programm von Barock bis zur Moderne werden“, verspricht Matthias Höfs. Seine Studenten können dann zeigen, was sie bereits als Solisten draufhaben, aber auch Ensemblestücke werden geübt.

Vielleicht wird das Publikum den einen oder anderen aus dieser Gruppe in ein paar Jahren beim SHMF auf größeren Podien erleben. Das Zeug dazu hat jeder dieser talentierten Trompeter.

Konzert Meisterkurs Trompete So 5.8., 20 Uhr, Großer Saal der Musikhochschule Lübeck, Große Petersgrube 21, Karten 12,-/erm. 7,- Euro; www.shmf.de