Hamburg

Düstere Lieder an einem sonnigen Tag

Die Amerikanerin Melody Gardot sang in der Laeiszhalle – und sprach über Wasserflaschen

Hamburg. Ein herrlicher Sonntag geht langsam zu Ende. Doch Melody Gardot beginnt ihr Konzert in der ausverkauften Laeiszhalle mit „The Rain“ so, als wollte sie ihr Publikum ganz schnell aus einer beswingten Sommerstimmung herausholen. Zwar trägt die Amerikanerin eine dunkle Sonnenbrille, doch das hat gesundheitliche Gründe, denn Gardot leidet noch viele Jahre nach einem schweren Verkehrsunfall an einer großen Lichtempfindlichkeit.

Die 32 Jahre alte Sängerin aus New Jersey ist zwar in aufgeräumter Stimmung, wie sich im Laufe des Abends an ihren Moderationen zeigt, doch das Programm, das sie für die beginnende Europatournee zusammengestellt hat, ist ziemlich düster. „Goodbye“ und „So Long“ heißen die nächsten beiden Abschiedslieder, mit dunklem Timbre und dramatischem Ausdruck gesungen. Melody Gardot ist an diesem Abend meisterhaft darin, Gefühle tief auszuloten, ohne dabei in ein übertriebenes Pathos zu verfallen. Sie singt die anspruchsvollen Melodien nuanciert, ihre Stimme ist von großer Klarheit.

Begleitet wird sie von einer dreiköpfigen Band und zum ersten Mal von einem Streichquartett. Dadurch bekommen ihre jazzigen Songs einen kammermusikalischen Anstrich. Früher hat Gardot oft Bläser in ihrer Band gehabt, mit Geigen und Cello geraten ihre Lieder noch ein Stück mehr „noir“.

Der größte Teil der Stücke, nämlich sieben von elf Songs, stammt aus ihrem zweiten Album „My One And Only Thrill“, das 2009 erschienen ist. Die düstere Stimmung bricht sie in ihren manchmal etwas zu langatmigen Moderationen auf, wenn sie etwa über zu spät angefangene Konzerte und Probleme mit Wasserflaschen räsoniert. Riesigen Applaus erhält sie, als sie kurz auf den Punkt bringt, was ihr an Hamburg gefällt: die Boote, das Wasser, der Wind und ein kleiner Buchladen, den sie schon vor Jahren entdeckt hat.

Etwas mehr Fahrt bekommt Gardots Konzert erst gegen Ende der 95 Minuten. Als vorletzte Nummer singt sie „Les Etoiles“, eine swingende Jazznummer mit Pariser Flair. Vor der Zugabe, in der sie ein Gedicht des spanischen Liedermachers Joan Manuel Serrot vertont, begibt sie sich mit „Who Will Comfort Me?“ in die Gefilde von Gospel und Soul, animiert das Publikum zu einem Call-and-Response-Gesang und wird am Ende mit großem Beifall gefeiert. Als die Zuhörer die Laeiszhalle verlassen, ist die Sonne gerade untergegangen. Es hat sich etwas abgekühlt, aber von Regen dennoch keine Spur.