Hamburg

Hanseatischer geht es nicht bei den Rathauskonzerten

Die Symphoniker Hamburg und Geigerin Alexandra Conunova überzeugen

Hamburg.  An diesem Sommerabend ist Hamburg so sehr bei sich, dass es sich kaum noch steigern lässt: Der Wind streicht durch den Rathaus-Innenhof, zerrt an den Sonnenschirmen und hinterlässt einen Unterton skandinavischer Kühle. Am blassen Himmel kreist eine Möwe, das Publikum ist gediegen bürgerlich und ausgesprochen guter Laune, und sogar das Programm trägt einen hanseatischen Touch: Für ihr erstes Rathauskonzert haben sich die Symphoniker Werke von Mendelssohn (in Hamburg geboren und alsbald weggezogen), Bruch und Brahms (in Hamburg geboren und aufgewachsen) ausgesucht.

Auch wenn es auf den echten Hebriden, einer Inselgruppe vor dem Nordwesten Schottlands, wahrscheinlich selten wirklich lauschig zugeht: Mendelssohns gleichnamige Ouvertüre ist in ihrer elegischen Versonnenheit wie geschaffen für einen Sommerabend. Die Dirigentin Shiyeon Sung schärft Kon­traste und bringt die Musik zum Atmen.

Herzstück des Abends wird das Violinkonzert von Max Bruch mit der jungen Moldawierin Alexandra Conunova, die gerade noch im Festivaltross von Martha Argerich dabei war. Schon dort hinterließ sie einen tiefen Eindruck, nun stellt sie ihre solistischen Fähigkeiten unter Beweis. Was für ein voller, beseelter Ton, was für ein intensives und wandlungsfähiges Vibrato! Conunova lässt sich von der typischen Open-Air-Unruhe keinen Moment rausbringen. Ihre Geige trägt noch im Pianissimo bis in den hintersten Winkel des Innenhofs zu den Bartresen, sie musiziert mit nicht nachlassender Intensität und hält engen Kontakt mit Dirigentin und Musikern. Dass die Holzbläser in der Abendkühle manchmal etwas tiefer klingen als die Sologeige, perlt an Conunova ab. Sung und das Orchester spannen weite Bögen und begleiten mit viel Gefühl.

Ein wenig schade ist es, dass Sung die Erwartungen, die sie mit ihrer sensiblen Lesart von Mendelssohn und Bruch geweckt hat, bei Brahms’ Erster nicht einlöst. Es klappert zu oft; immer wieder ist dem Stück seine hochkomplexe Bauart anzuhören. Für die große Linie müsste Shiyeon Sungs Dirigat den Musikern mehr Freiraum lassen. Streicher und Holzbläser schlagen sich aber manierlich, und der Blechbläserklang leuchtet warm. Und so verschwindet ein glückliches Publikum in der Abenddämmerung, beschwingt von Musik und Weißwein.

Für die Rathauskonzerte der Symphoniker Hamburg am 9.7., 18.7., 22.7. und 2.9. gibt es noch Restkarten in der Abendblatt-Geschäftsstelle, Großer Burstah 18–32, T. 30 30 98 98

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