Hamburg

Eine Königin träumt von der Freiheit

Aufwändig inszenierte Arte-Dokumentation über „Marie Antoinette“

Hamburg. Sie war eine sanfte, dabei kompromisslose Rebellin. Und es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass diese von individueller Freiheit träumende und den Idealen der Aufklärung verpflichtete junge Frau jener Revolution zum Opfer fiel, zu der es ohne sie vielleicht nie gekommen wäre: Marie Antoinette. Die Tochter Maria Theresias – seit 1774 als Gemahlin Ludwigs XVI. Königin von Frankreich – starb 1793 in Paris mit 37 Jahren auf dem Schafott.

Die Arte-Produktion lässt 19 Jahre aus dem Leben Marie Antoinettes aufleben und setzt in jenem Moment an, in dem die 14-Jährige mit dem linkischen französischen Thronfolger Ludwig August in Versailles verheiratet wird. Es ist eine Zweckheirat aus politischem Kalkül. Gleichsam über Nacht werden die bisherigen Erzfeinde Frankreich und Habsburg zu Bündnispartnern. Das Mädchen, eigentlich ein Kind noch, ist das Opfer. Und das Opfer wehrt sich – und schafft sich damit Feinde.

Im Mittelpunkt der aus Spiel­szenen, aktuellen Filmaufnahmen und Statements von Historikern eindrucksvoll arrangierten Geschichtserzählung steht Versailles – freilich weniger das weltberühmte Schloss als ein Bereich an der Peripherie der Anlage. Der Fokus liegt auf dem Petit Trianon, einem kleinen Schloss, das Ludwig für seine Maitresse Madame de Pompadour bauen ließ und das König Ludwig XVI. schließlich seiner Frau schenkte. Marie Antoinette ersetzt die von Macht und Autorität kündende Gartenanlage durch einen „natürlichen“ englischen Landschaftspark und­ lässt das Innere des Petit Trianon umgestalten. Hier sucht und findet Marie Antoinette die Möglichkeit, dem Hofprotokoll zu entkommen.

Dass ihr libertärer Lebensstil nicht nur den Hofadel, sondern auch große Teile der Bevölkerung gegen sie aufbringt, stört sie nicht. Hinter der eindrucksvollen Darstellung einer Monarchin scheint das tragische Bild einer jungen Frau hervor. Bewegendes Porträt einer starken Persönlichkeit.

„Marie Antoinette“
Sonnabend, Arte, 20.15 Uhr