Hamburg

Einmal Orient und zurück mit der Camerata

Hamburg.  Den Reiz einer Annäherung zwischen Orient und Okzident kennen wir spätestens seit Goethes west-östlichem Divan. Die Hamburger Camerata hat das Thema passend zur politischen Daueraktualität wieder aufgegriffen. Ins Zentrum ihres Programms „Zwischen Tunis und Wien“ rückte sie Mozart, hat der doch der zu seinen Lebzeiten florierenden „Türken“-Mode (damals das generelle Wort für Arabien) kräftig gefrönt, etwa in seinem unvoll­endeten Singspiel „Zaide“. Die Sopranistin Sophie Junker lieh der Zaide ihre voll­endeten Legati und ihr warmes, leicht metallisches Timbre und ließ die Melodie der Arie „Ruhe sanft, mein holdes Leben“ wie auf sanften Flügeln durch die Laeiszhalle schweben.

Die grazilen Wendungen zogen sich als Motive durch den Abend. Die tunesisch-belgische Sängerin Ghalia Benali baute immer wieder eine in ihre hauchigen orientalischen Girlanden ein. Das war hübsch, aber eine genuin musikalische Verwandtschaft blieb da bloß ­Behauptung.

So richtig „alla turca“ rasselt Mozart im letzten Satz seines A-Dur-Violinkonzerts. Schade, dass der Geiger Albrecht Menzel dem Stück jeden Hauch von Trommeln und Tambourinen schuldig blieb. Umso beeindruckender sein tunesischer Kollege Zied Zouar mit seiner unerschöpflichen Vielfalt von Farben, Stimmungen und fremdartigen Intervallen. Stiller Star war Dirigent Alexander Mayer, der dem Orchester mal einen kernigen Sound und dann wieder die subtilsten Seufzer entlockte.