Hamburg

Studio Hamburg setzt auf Serien

Der TV-Produzent machte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 7,2 Millionen Euro – dank erfolgreicher Produktionen wie „Bad Banks“

Hamburg. Es ist ein heißer Frühsommertag. Auf der Terrasse des Hamburger Businessclub an der feinen Elbchaussee sitzen der Chef von Studio Hamburg, Johannes Züll, und Michael Lehmann, Geschäftsführer der Studio Hamburg Production Group. Die Laune der beiden Herren könnte besser nicht sein.

Züll freut sich, dass die Geschäfte so gut laufen. Der Medienmanager, der 2014 von RTL gekommen ist, sollte Studio Hamburg sanieren, das zuvor drei Jahre in Folge Verlust gemacht hatte. Man muss sagen, dass ihm das ausgesprochen gut gelungen ist. 2017 hat der Film und Fernsehproduzent, der zusammen mit der Ufa, der Bavaria und der Constantin Medien zu den vier Schwergewichten der Branche zählt, vor Steuern einen Gewinn von 7,2 Millionen Euro gemacht. Im Vorjahr waren es nur 3,1 Millionen Euro gewesen. Nach Steuern blieben noch 5,6 Millionen Euro, über die sich der NDR als Gesellschafter von Studio Hamburg freuen darf. Die Umsätze stiegen von 235 Millionen auf 261 Millionen Euro. „Das ist ein Plus von 35 Prozent“, sagt Züll.

Lehmann wiederum strahlt, weil das Image der von ihm verantworteten Produktionen besser denn je ist. Ökonomisch gab es in seinem Bereich nie Probleme. Sorgen bereiteten Studio Hamburg eher das Technik-, vor allem aber das Atelier-Geschäft. Andererseits erarbeitete man sich mit braven, konventionellen Serien wie „Rote Rosen“, „Großstadtrevier“ oder „Notruf Hafenkante“ auch nicht unbedingt den Ruf einer Kreativschmiede.

Aber seit „Bad Banks“ ist alles anders. Die Serie um krumme Geschäfte von Investmentbankern, die Anfang März auf Arte und im ZDF lief, gilt als eine der ambitioniertesten Produktionen der Hamburger seit langer Zeit. Sie wurde bereits mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet und in 60 Länder verkauft. Einer der Käufer ist der US-Streamingdienst Hulu. Bereits vor der Erstausstrahlung wurde die Serie mehr als 1,3 Millionen Mal im Netz abgerufen. Die Kritik war begeistert. Das ZDF hat bereits die zweite Staffel bestellt. Drehbeginn wird im ersten Quartal 2019 sein. „,Bad Banks‘ ist die einzige wegweisende deutsche Serie, die in der Gegenwart spielt“, sagt Lehmann. „Sie hat keinen historischen Stoff zum Thema.“

Ein weiterer zeitgenössischer Stoff ist Grundlage eines Serienprojekts, das noch ganz am Anfang steht. Der vielfach preisgekrönte „Spiegel“-Redakteur Alexander Osang arbeitet für Lehmann an einer Berlin-Serie, in der der Techno-Club Berghain eine zentrale Rolle spielen wird. Osang hatte erst kürzlich eine – allerdings umstrittene – Reportage über den Drogentod einer Amerikanerin im Berghain geschrieben. Drehstart könnte 2020 sein.

Es ist aber nicht so, dass Lehmann historische Stoffe ablehnen würde. Der Regisseur und Drehbuchautor Kilian Riedhof entwickelt unter dem Titel „Last Song für Stella“ für Studio Hamburg gerade ein Projekt über eine jüdische Swingband im Nazi-Deutschland der 30er- und 40er-Jahre. Schon etwas weiter fortgeschritten ist der für das Kino produzierte Film über Udo Lindenberg „Mach dein Ding“. Ab September wird gedreht. Produktionspartner von Studio Hamburg ist übrigens Sat.1.

Der Aufschwung bei den Hamburger Film- und Fernsehproduzenten hat vor allem branchenspezifische Gründe. Dank neuer Streamingdienste wie Netflix und Amazon Video, die zunehmend auch deutsche Stoffe nachfragen, erleben Produktionsfirmen derzeit einen kleinen Boom. Hinzu kommt, dass die etablierten Sender verstärkt auf Ware aus heimischer Produktion setzen. Auch dies hat indirekt mit dem Siegeszug der Online-Video-Portale zu tun. Da Netflix und Co. alle hochklassigen Serien und Filme aus Hollywood auch für ihre Märkte im Ausland abgreifen, bleibt den deutschen Sendern häufig nur zweitklassige US-Ware, die kaum jemanden interessiert. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen sie verstärkt exklusive deutsche Produktionen ordern.

Studio Hamburg kann diese Nachfrage nur recht sein. Die Produktionsfirma gönnte sich – auch dank der guten Geschäftslage – vergangenes Jahr für fünf Millionen Euro einen Übertragungswagen, der im neuen hochauflösenden TV-Standard Ultra-HD arbeitet. In einen Filmscanner, Kostenpunkt eine Million Euro, der historische Produktionen digitalisiert, wurde ebenso investiert wie in ein neues Synchronstudio am Standort Berlin.