Hamburg

Hamburg, Tor zur kolonialen Welt

Marc Erwin Babej zeigt seine Fotoausstellung „Unser Afrika“ in der Rathausdiele

Hamburg. Trockener Wüstenboden in Namibia, Häuser im Kolonialstil und mittendrin immer wieder schöne weiße Frauen in stolzen Posen – diese Fotos sind irritierend. Und genau darum geht es Marc Erwin Babej in seiner Ausstellung „Unser Afrika“ im Rathaus. „Eines meiner Hauptziele war, mehr Aufmerksamkeit auf das politisch und gesellschaftlich vernachlässigte Thema der deutschen Kolonialgeschichte, und insbesondere den Völkermord an den Herero und Nama, zu lenken.“

Die Arbeit setze sich, entgegen dem Konsens künstlerischer Bearbeitungen des Kolonialismus, konsequent mit der Gedankenwelt der Täter auseinander. „Besonders im Kolonialismus ist dies von vorrangiger Bedeutung“, sagt Babej. Denn dieser Völkermord sei ganz unzweideutig auf die Intentionen und Provokationen einer Seite zurückzuführen.

Babej geht es bei seiner Kunst vor allem um eine „fundierte inhaltliche Auseinandersetzung“. Und deshalb ist der Ort gut gewählt. Es waren Hamburger Kaufleute wie Adolph Woermann, der sich in Berlin für den Schutz der deutschen Kolonien einsetzte und nicht nur mit dem Transport deutscher Soldaten nach Afrika auf seinen Schiffen zu erheblichem Reichtum gelangte.

„Hamburg trägt bei der Aufarbeitung der Kolonialgeschichte eine besondere Verantwortung. Unsere Stadt war als Hafen- und Handelsmetropole auch das Tor zur kolonialen Welt“, sagt Senatorin Katharina Fegebank (Grüne). Mit der Ausstellung in der Rathausdiele wolle die Stadt einen weiteren Beitrag zur dringend notwendigen Aufarbeitung ihrer Vergangenheit leisten. In Namibia seien bis zu 100.000 Herero und Nama getötet worden. „Hamburg hat Schuld auf sich geladen. Es ist wichtig, das dunkle Kapitel unserer Stadt im Rathaus zu beleuchten.“ Vor drei Jahren hat der Senat beschlossen, das koloniale Erbe der Hansestadt aufzuarbeiten. Professor Jürgen Zimmerer leitet die Forschungsstelle „Hamburgs (post-) koloniales Erbe/Hamburg und die frühe Globalisierung“.

„Das koloniale ‚Erbe‘ besteht nicht nur aus materiellen Objekten, aus Denkmälern oder Gebäuden, sondern auch aus Bildern und Filmen“, sagt Zimmerer. Also aus visuellen Vorstellungswelten. „Es ist Anliegen der Forschungsstelle diese zu dekonstruieren.“ Die Fotoausstellung biete hier eine wichtige Ergänzung. „Sie spielt mit diesen Seherwartungen und bricht sie durch Perspektivumkehr. Das provoziert und regt zum Nachdenken darüber an, welche kolonialen und rassistischen Bilder wir immer noch im Kopf haben und wie dies zu überwinden ist.“

„Unser Afrika – Zum visuellen Erbe des deutschen Kolonialismus“ Fotoausstellung vom 18. Juni bis 13. Juli in der Diele des Hamburger Rathauses. Der Besuch ist kostenlos.