Hamburg

Ein junger Pianist mit unglaublichem Potenzial

Florian Heinisch spielt mit einem inneren Strahlen auf der kleinen Laeiszhallen-Bühne

Hamburg. Bach, Brahms, Schubert, Liszt – da denkt man, ach, nur Klassiker. Doch beim zweiten Blick staunt man: Sidney Corbett, György Ligeti, Bartók! Ja, selbst Bartók findet man heute auf Klavier-Recital-Programmen höchst selten. Florian Heinisch, 27 Jahre jung, präsentierte bei seinem Gastspiel im Kleinen Saal der Laeiszhalle diesen spannenden Mix. Vor zwei Jahren debütierte der Pianist aus Bachs Geburtsstadt Eisenach dort und erinnerte mit „Das ungespielte Konzert“ an den von den Nazi ermordeten Pianisten Karlrobert Kreiten. Ein Konzert, das der hoch talentierte, ebenfalls 27-jährige Kreiten 1943 nicht mehr spielen konnte.

Florian Heinisch kommt mit einem inneren Strahlen auf die Bühne, er ist einer, der den Geheimnissen der Musik auf den Grund gehen will. Hochkonzentriert sitzt er am Flügel. Recht kräftig im Ton geht er zu Beginn Bachs Präludium und Fuge H-Dur aus dem zweiten Band des Wohltemperierten Klaviers an, die polyfonen Strukturen vermittelt er mit Ruhe und Klarheit. Bei Bartóks Sonate für Klavier Sz. 80 werden dann rauere, schwerere, perkussivere Töne angeschlagen, das tendiert ein bisschen ins Folkloristische. Florian Heinisch spielt das mit rhythmischem Swing und prä­zise artikuliert. Das hilft, wenn die Musik brutal und schmerzhaft wird wie im langsamen Satz oder wenn’s hochvirtuos zur Sache geht wie im Finale. „Postscript (to an unsent letter)“ von dem Ameri­kaner Sidney Corbett lebt dann von fein differenzierten, hohen sphärischen Klängen mit verschlungenen Melodielinien.

Poetisch gestaltete Melodien, atemberaubende Virtuosität

Die „Variationen über ein Thema von Schumann“ von dem jungen Brahms hört man nicht allzu oft, ein Stück, bei dem Florian Heinisch mit singend-­poetisch gestalteten Melodien und atemberaubender Virtuosität am Schluss punktet.

Teuflisch virtuos ging es nach der Pause bei Ligetis Étüde „L’escalier du diable“ zu. Schuberts vier Impromptus Op. 90 packt Florian Heinisch dann ­erstaunlich fest an, da hätte man sich mehr dynamische Differenzierungen vorstellen können, ein wenig mehr ­Gelassenheit und einen tonlich ­ausgereifteren Zugang. Und vor allem ein bisschen mehr Wiener Charme. ­Grandios und technisch brillant aber gelang das furiose Finale mit Liszts ­„Rhapsodie ­espagnole“. Im Ganzen ein von der ­Dramaturgie her sehr überzeugender Abend eines vielversprechenden jungen Pianisten mit unglaublichem Potenzial.