Hamburg

Frisches aus der „Intensiv-Station“

Satire-Show von NDR Info feierte im Rolf-Liebermann-Studio zehnten Geburtstag

Hamburg. Intendant Lutz Marmor sprach, Mitglieder des Rundfunkrats saßen in der ersten Reihe, Medienleute wie „Tagesthemen“-Lady Caren Miosga oder Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider gratulierten per Video. Im Rolf-Liebermann-Studio des Norddeutschen Rundfunks galt es am Sonnabend indes nicht allein das 20. Jubiläum von NDR Info zu feiern, sondern auch den zehnten Geburtstag der „Intensiv-Station“. Mit einer XXL-Ausgabe blickte die Satire-Show – im Jargon des Nachrichten- und Informationsradios auch „ISS“ genannt – mehr als nur auf den „bisher besten Monat des Jahres“ zurück.

Und Moderator Axel Naumer wusste, bei wem er sich (auch) zu bedanken hatte: bei den Kollegen, die Politikern oft Sätze entlocken wie jenen von Altbundespräsident Christian Wulff: „Von A wie Ausdauer bis C (sic!) wie Zähigkeit, darauf kommt es an.“ Mit dem verantwortlichen NDR-Redaktionsleiter Stephan Fritzsche hatte Naumer die Show vor zehn Jahren am Montagabend im NDR-Info-Programm verankert, zeitweilig auch im NDR Fernsehen und bis heute mehrmals im Jahr mit aufwendigen Gastspielen in Theatern des Sendegebiets von Flensburg bis Göttingen.

Das Salz in der satirischen Suppe beim etwas anderen Blick auf Politik, Kultur, Gesellschaft und Sport sind außer den O-Tönen der Politiker die „Intensiv-Station“-Rubriken. Da attestiert Redaktionsleiter Fritzsche als „Oberpfleger Fritzschensen“ Facebook-Chef Mark Zuckerberg ein „Triple-S-Syndrom“, weil der bei Anhörungen nur noch „Sorry, sorry, sorry!“ sage. Und in seiner „Tönenden Wochenschau“ (im Stil der 50er-Jahre) stutzt Fritzsche WM-Macher Löw mit dessen teils hanebüchener Grammatik aufs sprachliche Niveau eines badischen Vorschulbuben.

Joachim Löw hat Antonia von Romatowski (noch) nicht in ihrem Repertoire. Die Schauspielerin und Komikerin, seit 2012 Teil der Stammbesetzung der Satire-Sendung, zeigt beim Geburtstag mit Grußbotschaften von Angela Merkel, Ursula von der Leyen, Sarah Wagenknecht und Gerhard Schröder einmal mehr ihr parodistisches Können. Jüngster Clou: Als CDU-Generalsekretärin Annegret Kamp-Karrenbauer imitiert sie auch die Bundeskanzlerin in spe. Und obwohl das (Gebühren-)Geld für Gastkünstler bei der „ISS“ knapper geworden ist – einer wirkt beim Jubiläum mit: Kleinkunst- und Kabarettpreisträger Rainald Grebe singt mit der NDR Bigband drei gewohnt schräge Lieder.

Schönste und selbstironische Sender-Pointe bleibt aber die finale Grußbotschaft des schwäbischen EU-Kommissars Günther Oettinger, der NDR Info „das Radio der postfaktischen Demenz-Gesellschaft“ nennt – weil die Nachrichten ja in der Regel im Viertelstundentakt ausgestrahlt werden. Hinter der vortrefflichen Parodie steckt NDR-Info-Moderator Markus Schubert. Wohl dem Programm, das solche Satire-Perlen aus Eigenmitteln stemmt.

„Intensiv-Station XXL“ (Zusammenschnitt), Montag, 21.05 Uhr, NDR Info

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