Hamburg

Max Conze tritt als Chef von ProSiebenSat.1 an

Auf den TV-Manager, der den Konzern von Freitag an führen soll, wartet eine Menge Arbeit

Hamburg. Nach dem Abgang des langjährigen ProSiebenSat.1-Chefs Thomas Ebeling tritt am Freitag Max Conze die Nachfolge an. Fernsehzuschauer dürfen von dem früheren Chef des Staubsauger-Herstellers Dyson frischen Schwung erwarten. Und den hat ProSiebenSat.1 auch dringend nötig. Denn Ebeling übergibt die Senderfamilie keineswegs besenrein.

Der ehemalige TV-Manager Ebeling beschimpfte seine Zielgruppe als „ein bisschen fettleibig“ und „ein bisschen arm“. Auf Conze kommt also eine Menge Arbeit zu. Das TV-Geschäft, das immer noch 75 Prozent zum Gewinn von zuletzt 471 Millionen Euro beiträgt, krankt daran, dass die Gruppe zu spät auf eigenproduzierte Ware setzte. Stattdessen wurden zweitklassige Serien und Filme in den USA eingekauft. Abschreibungen auf das Programmvermögen in Millionenhöhe waren die Folge.

Ein weiteres Problem ist, dass sich das Konzernflaggschiff ProSieben vor allem an 14- bis 29-Jährige richtet. Diese Zielgruppe ist jedoch für Streamingdienste wie Netflix und Amazon Video besonders empfänglich. ProSiebenSat.1 besitzt zwar mit Maxdome auch einen solchen Dienst. Der gilt aber als vergleichsweise altbacken und defizitär.

Conze wird es nicht leicht haben, diese Probleme zu lösen. Er ist, wie sein Vorgänger Ebeling ein Branchenfremder. Doch auf die Idee, sein Publikum zu beschimpfen, wenn es eng wird, dürfte der studierte Wirtschaftswissenschaftler kaum kommen: Noch vor seinem Amtsantritt hat er Zuschauer von Sendern der TV-Gruppe besucht, um sich über deren Wünsche zu informieren.