Hamburg

Western auf dem Acker

Im ARD-Mittwochsfilm „13 Uhr mittags“zieht der Wilde Westen nach Niedersachsen

Hamburg. Der Showdown über den Rübenacker hinweg wartet mit einigen der erbärmlichsten Schussleistungen der Western-Geschichte auf. Aber der Wilde Westen hat sich aufs Oldenburger Land des Jahres 2017 verkrümelt, wo der Chefpolizist der größte Jammerlappen ist und die Gangster in der Regionalliga spielen. „13 Uhr mittags“ macht schon im Filmtitel und bei den Schrifttypen im Vorspann keine Umwege: Martina Plura (Regie) und Klaus Burck (Buch) servieren uns ein parodistisches Update des Filmklassikers mit Gary Cooper.

Das ist felsiges Gelände mit hoher Absturzgefahr. Aber schau an, auch in Deutschland kann so ein Ding wunderbar funktionieren, ohne in Albernheiten zu ersticken, wenn man präzise arbeitet. Die Lederweste von Coopers Marshall Kane ist bei Olaf Gabriel (Jörg Schüttauf) zum Strickpullunder verkommen, die Cowboystiefel haben sich in Gesundheitstreter verwandelt. Mit Hund und Wohnmobil will der Dorfpolizist in den Vorruhestand ziehen, doch der letzte Arbeitstag in Hedly ist der schlimmste. Der Bankräuber Simon Held (Thomas Arnold) wird einen Monat früher aus dem Knast entlassen, als es in Gabriels Kalender steht.

Und weil der Polizist den Gangster mit einer abenteuerlichen Aussage einst in den Knast brachte und den Herztod von Helds Bruder auf dem Revier durch Ignoranz verschuldete, stehen die Zeichen auf Rache.

Obendrein liegt die Beute des damaligen Überfalls auf dem Friedhof verbuddelt. Schon sitzen Held und seine Kumpane – in der Regionalbahn. Nichts wie weg, denkt sich Gabriel, aber eine zwei Köpfe größere LKA-Beamtin (Rosalie Thomass) entlässt ihn nicht aus der Verantwortung.

Schwarzer Humor der Extraklasse

Es ist nicht so einfach, den richtigen Ton für eine Komödie mit schwarzem Humor zu finden, bei der die Verführung so groß ist, Westernklischees zu verballhornen. Martina Plura und Klaus Burck aber gehen liebevoll mit ihnen um, setzen sie so pointiert und dezent ein, dass nichts platt wirkt. Wer kennt nicht den Zug, auf den man gebannt starrt, weil das Unheil gleich aussteigt? Hier ist es erst mal die Oma mit Rollator. Dazu knechtet Daniel Hoffknecht die Slide-Gitarre, und Pluras Schwester Monika liefert per Kamera mitleidvolle Bilder aus der niedersächsischen Provinz.

Vor allem aber sind sich alle Darsteller der Verantwortung bewusst, nie zu überziehen, sondern ihren Part mit größter Disziplin zu spielen. Jörg Schüttauf ist preisverdächtig als Hasenfuß, dem der Angstschweiß aus jeder Pore rinnt und der zu jeder hinterhältigen Gemeinheit fähig ist, wenn es darum geht, den eigenen Hintern zu retten. Das Ganovenquartett um den eisigen Thomas Arnold ist immer noch so (rest-)bedrohlich, dass man sich nicht gleich vor Lachen ausschüttet. Und der Fascho-Dorfwirt (Björn Grundies), Spezialität Rinderroulade aus der Mikrowelle, ist zwar bis an die Zähne bewaffnet, aber auch nur ein hinreißendes Weichei. Schneid haben hier die Frauen, besonders die Schützenkönigin (Katharina Behrens). Das ist eben der Western anno 2018. Gary Cooper ruhe sanft.


„13 Uhr mittags“,
Mittwoch, 20.15 Uhr, Das Erste