Münster

Pinguine und viel Elefantenmist

Thiel und Boerne decken im „Tatort: Schlangengrube“ einen Zooskandal auf

Münster. Was könnte den Humor des Münster-„Tatorts“ nach 15 Jahren voller Quotenrekorde noch würzen? Richtig: Tiere. Tiere gehen immer. Das weiß man ja, und so schippt Kommissar Thiel als Zoomitarbeiter undercover nicht nur haufenweise Elefantenmist, sondern wird auch noch zum ­Pinguin-Retter. Und Gerichtsmediziner Boerne schnöselt sich als selbst ernannter Gourmetkoch durch den „Tatort: Schlangen­grube“. Mit Krimi hat das so gut wie nichts zu tun, aber das erwartet man in Münster ja ohnehin nicht.

Tote, gewiss, die gibt es. Hier erst einmal eine schwer kranke Tierfreundin (Lilia Lehner), die bei einem Sturz umkommt, bei dem offensichtlich jemand nachgeholfen hat. Rätseln muss man in den folgenden 90 Minuten nie. Und deshalb wird auch sofort klar, dass sie einem Skandal im Zoo auf der Spur war. Der Tierarzt (Dirk Martens) schlurft so auffallend schuldbeladen übers Gelände, dass man ihn eigentlich sofort verhaften könnte. Und dann ist da noch ein millionenschwerer Medienproduzent (Robert Hunger-Bühler) mit einem Hang zu hyperexotischen Menüs, deren Produkte aus der Luxus­metzgerei „Fleisch und Blut“ stammen. Man muss kein Kriminologe sein, um die Dinge ruckzuck zusammenzubringen. Aber darum geht es natürlich nicht. Jan Hinter (Buch) und ­Samira Radsi (Regie) sind vor allem daran interessiert, dem Münster-Panoptikum seine Spielräume zu gewähren. Davon lebt die Münster-Reihe. Und warum sollte man das ändern, wenn das Publikum davon nicht genug bekommt?

Boerne (Jan Josef Liefers) darf mit der vagen Aussicht auf eine eigene Fernsehshow als forensischer Fernsehkoch allerlei Leckereien servieren, die dann – Achtung, Gag! – vom Pommes- und Döner-Experten Thiel (Axel Prahl) den entscheidenden Schliff bekommen. Der Hummer – wen wundert’s? – wird im Leichenkühlfach frisch gehalten.

Regisseurin Samira Radsi greift nicht ein, sie lässt den Dingen ihren Lauf, weil sie glaubt, dass man vermutlich beim Münster-„Tatort“ nicht viel falsch machen kann. Originell freilich ist hier nichts mehr. Nicht mal, wenn Tiere mitmischen.


„Tatort: Schlangengrube“,
Sonntag, 20.15 Uhr, ARD