HAmburg

Lesen gegen das Vergessen

Am 85. Jahrestag der Bücherverbrennung ist jeder zum Aktionstag eingeladen

HAmburg. Die Nazis sind für viele Dinge und Vorgänge auf schaurige Weise berühmt geworden. Ganz vorne mit dabei, was die Welt der Kultur angeht: das Verbrennen von Büchern.

Seit der Bücherverbrennung im Nazi-Reich sind uns Bücher noch heiliger, und wenn nur ein Feuerzeug in die Nähe eines Buches gerät – Schreibtische sind als Ablagen erst einmal unparteiisch –, springt das Alarmsystem an. Ein solches Alarmsystem ist seit beinah zwei Jahrzehnten die verdienstvolle Aktion „Bücherverbrennung – nie wieder!“. Sie rückt Jahr für Jahr zum einen den Wert von Literatur ins Bewusstsein, zum anderen erinnert sie an den Ungeist der Nationalsozialisten. Dieser Ungeist ist eine stete Gefahr: Man kann sich nie ganz sicher sein, dass sich Geschichte nicht wiederholt.

Deshalb findet nun also heute die 18. Marathonlesung aus den verbrannten Büchern statt. Und zwar genau dort, wo in Hamburg am 15. Mai 1933 Studenten und Burschenschaftler mehr als nur zündelten: am Kaiser-Friedrich-Ufer, Ecke Heymannstraße. Dem Ort in Eimsbüttel, der seit 1985 „Platz der Bücherverbrennung“ heißt und auch heute noch jeden Tag an die Schande von einst erinnert. Und auf dem jetzt wieder ein Zeichen gesetzt werden soll.

Jeder und jede ist dazu eingeladen, aus einem der damals verfemten Bücher zu lesen und dabei die Schülerinnen und Schüler von Hamburger Schulen zu unterstützen, die einen großen Teil des Programms bestreiten. Für Kurzentschlossene liegen Lesetexte bereit, aber ansonsten gilt: Jeder liest aus einem Text seiner Wahl. Gelesen wird am 85. Jahrestag der Hamburger Bücherverbrennung zwischen 9 und 18 Uhr, wobei eine zweite Eröffnung des Aktionstages um 11 Uhr stattfindet – dann mit Esther Bejarano, der Überlebenden der Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück, und der Autorin Peggy Parnass. Die Marathonlesung ist Teil des Monats des Gedenkens in Hamburg-Eimsbüttel. Dieser findet inzwischen zum fünften Mal statt und läuft noch bis zum 31. Mai und widmet mehr als 50 Veranstaltungen den Widerständigen und den Opfern von einst.

Es ist nicht die schlechteste Zeit, um sich der deutschen Verantwortung bewusst zu werden: Zuletzt wurde antisemitische Popmusik als preiswürdig erachtet, und Kippa-Träger werden auf deutschen Straßen regelmäßig angegriffen.

Marathonlesung 15.5., ab 9 Uhr, Platz der Bücherverbrennung (Bus 4), Kaiser-Friedrich-Ufer/Ecke Heymannstraße
„Wo man Bücher verbrennt ...“ Erinnerung an verfolgte Autoren Hamburgs in Wort und Bild 15.5., 19 Uhr, Curio-Haus
(S Dammtor), Rothenbaumchaussee 13

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