Hamburg

Als wäre es wieder 1989: Abtanzen mit Lisa Stansfield

Die britische Popmusikerin ist auf Comeback-Tour. Das riss die Hamburger von den Sitzen

Hamburg.  Los geht es mit einem Funk-Groove. Die neun Musiker legen sich bei "Everything" bereits mächtig ins Zeug, als Lisa Stansfield in einer weiten Glitzerhose und einer kurzen schwarzen Jacke auf die Bühne des Mehr!-Theaters schwebt. Das Publikum springt sofort von den Sitzen in der ausverkauften Halle, feiert die Britin frenetisch und fängt an zu tanzen. Die euphorische Reaktion kommt etwas überraschend, denn als Popstar ist Lisa Stansfield eigentlich seit 20 Jahren weg vom Fenster. Ihren größten Hit hatte sie schon 1989 mit "All Around The World", bis 1997 erreichte sie hohe Charts-Platzierungen, dann ging es mit der Karriere der "British Queen of White Soul" bergab. Bis zu diesem Jahr. Mit ihrem aktuellen Album "Deeper" feiert sie derzeit ein enormes Comeback, die Platte erreichte Platz sieben der deutschen Hitparade.

Gleich acht Songs von "Deeper" hat Stansfield im Programm. Mit diesen Nummern, die sie zusammen mit ihrem Mann Ian Devaney schrieb, knüpft sie stilistisch an ihre frühen Erfolge an. Die Songs sind eleganter Philly-Soul, die Musik klingt, als würde man direkt in die 90er-Jahre zurückgebeamt. Der Großteil der Zuhörer wird damals im Twen-Alter gewesen sein, der neuerliche Erfolg der 52-jährigen Stansfield ist auch mit Nostalgie zu erklären. Aber viele der neuen Nummern wie "Butterflies", der Titelsong "Deeper" und "Billionaire" besitzen Qualität. Die stärksten Momente haben Vokalistin und Band, wenn sie das Tempo anziehen und die Rhythmen schnell und tanzbar werden. Im Mittelteil hängt das Konzert bei ein paar älteren Nummern etwas durch, aber spätestens mit "Real Love" holt Stansfield das Publikum wieder von den Sitzen.

Verlassen kann sie sich immer noch auf ihre kräftige und ausdrucksstarke Stimme, aber auch auf die exquisite Band, zu der auch ein Trompeter und ein Saxofonist gehören. Außerdem ist der Sound an diesem Abend kristallklar abgemischt­. "All Around The World", den Megahit, den jeder im Ohr hat, kommt in bester Qualität aus den Lautsprechern. Ansagen zwischen den Songs spart sich Lisa Stansfield. Lediglich bei "Hercules", ebenfalls einer neuen Nummer, sagt sie, dass jeder einen Herkules in sich trage.

100 Minuten dauert das überzeugende Comeback, mit einem Medley aus "Live Together" und "Young Hearts Run Free" beendet sie den Auftritt und wird mit Beifall überschüttet. (oeh)

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