Hamburg

Neuer Stadtkurator stellt sein Programm vor

Dirck Möllmann will mit Kunst im öffentlichen Raum für Diskussionsstoff sorgen

Hamburg.  „Ich habe das Gefühl, in Hamburg geht was“, sagt Dirck Möllmann, der neue, im Auftrag der Kulturbehörde unter 30 Bewerbern ausgewählte Stadtkurator, und meint damit sein Sujet: die Kunst im öffentlichen Raum. Nachdem Sophie Goltz von 2014 bis 2016 die erste Auflage des „Initiativprojekts Stadtkuratorin“ (der Name bleibt, Männer sind mitgemeint) geleitet hatte, ist nun Möllmann am Zug, der zuletzt am Grazer Universalmuseum Joanneum wirkte und zuvor lange als freier Kurator in Hamburg gearbeitet hat.

„Hamburg Maschine“ heißt sein in Anwesenheit von Kultursenator Carsten Brosda (SPD) auf dem Brandshofgelände in Rothenburgs­ort vorgestelltes Programm. Technische Umwälzungen, die die „urbanen Systeme“ prägen, sind ein wichtiges Thema für ihn, große Bedeutung hat auch die „Kultur der Digitalität“, die inzwischen nahezu alle Lebensbereiche erfasst. Mit Kunst im öffentlichen Raum will Möllmann ab Oktober zu Diskursen anregen, Öffentlichkeit schaffen, auch irritieren, klar.

Drei Künstler nennt er bereits, mit denen er aktuell arbeitet: John Gerrard, Anne Marie Maes und Manual Beltrán. Beispielhafte Projekte stellt Möllmann vor, die zwar nicht exakt so in Hamburg stattfinden werden, aber einen Eindruck vermitteln, in welche Richtung die künstlerische Reise geht. Da ist etwa Gerrards Videoinstallation in Norwegen, die ein abgerissenes Papierwerk an einem See digital auferstehen lässt. Da sind die „digitalen Bienenstöcke“ von Maes, auch eine Videoinstallation. Oder ein Beltrán-Projekt, bei dem gemessene Körperwärme von Passanten in Bitcoins umgerechnet wird, die diese dann ausgeben können. Auch schön: die Idee, die Betrachtung von Facebook-Seiten zu protokollieren und dem Konzern anschließend die erteilte Aufmerksamkeit in Rechnung zu stellen.

Was Möllmann vorhat, klingt jedenfalls spannend; acht bis zehn Projekte sollen es sein, 200.000 Euro stehen für seine zweijährige Amtszeit zunächst zur Verfügung, weitere Mittel will er einwerben. „Eine wachsende Stadt wie Hamburg braucht diese Anstöße“, sagt Carsten Brosda, der sich von Möllmanns Wirken gleichermaßen „Irritation und Inspiration“ erhofft.