Hamburg

Packend: Die Revolution als Theaterstück

Hamburg.  Einen historischen Zeitabschnitt in ein dramaturgisches Konzept zu gießen ist eine Herausforderung. Wie es gelingen kann, dokumentierte die mit langem Beifall bedachte Uraufführung „Revolution!?“ vom Theater Axensprung im Museum für Hamburgische Geschichte. Das Stück begleitet die Sonderschau „Revolution! Revolution? Hamburg 1918–1919“. Auf der zur Bühne umgestalteten Treppe des Foyers zeigt die Gruppe fortan ein Schauspiel, das die politischen Umbrüche in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg verdichtet.

Regisseur Erik Schäffler und die vier weiteren Schauspieler konzentrieren sich auf die Wochen nach dem Kieler Matrosenaufstand im November 1918, die Zerschlagung der Rätebewegung mit der Ermordung Liebknechts und Rosa Luxemburgs, mündend in die Reichstagswahlen 1919. Dank einer Dreiecksgeschichte zwischen Arbeiterin Martha Knies (Mignon Remé), dem Kieler Ma­trosen Kurt (Oliver Hermann) und Marthas Mann, Frontsoldat Rudolf (Markus Voigt), stellt das Ensemble politische Zusammenhänge auf eine private Ebene.

„Nie wieder Hunger! Alle Macht den Räten!“, lauten die Parolen von Martha, die sich mehr und mehr politisiert, und dem an Basis-Demokratie glaubenden Kurt. Rudolf Knies hingegen entpuppt sich als völkisch-radikalisierter Konterrevolutionär. Markus Voigt überzeugt besonders als jener fieser Typ und trägt mit Klangcollagen die Inszenierung mit.

Gilt auch für Michael Bideller, der Hintergrund-Projektionen für die Leinwand konzipiert hat, und die von ihm verkörperten realen Figuren wie den Hamburger Bürgermeister Werner von Melle. Vor allem als Gustav Noske und Friedrich Ebert zeigt Bideller, welche dubiose Rolle die Sozialdemokraten spielten. Gemein ist allen Figuren dass sie in Solidaritäts- und Loyalitätskonflikten stecken. Das darzustellen ist nur ein Verdienst von Axensprung. Und die Frage, was hätte sein können, wenn die Novemberrevolution obsiegt hätte und die Weimarer Republik so nicht entstanden wäre, stellt sich nach diesen 90 packenden Theaterminuten neu.

„Revolution!?“ Do 3.5., 19 Uhr, bis 24.2., MHG, Holstenwall 24, Karten: T. 428 13 10