Hamburg

Zeitgeschichte auf der Bühne

Das Theater Axensprung begleitet die Sonderausstellung mit einem eigens geschriebenen Stück

Hamburg.  Das Hamburger Theater Axensprung, spezialisiert auf historische Stoffe an ungewöhnlichen Orten, zeigt als Teil der Sonderausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte seine „Revolution!?“ – ein Stück mit fünf Schauspielern und Musik. Uraufführung ist am Sonntag, 29. April. Fragen an Schauspieler und Produktionsleiter Oliver Hermann.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Museum?

Oliver Hermann: Wir haben bereits bei unserer Vorgängerproduktion „Franzosenzeit“ 2013 mit dem Museum kooperiert. Als wir 2014 mit „Weltenbrand“, einem Kammerspiel um Todes- und Lebenssehnsucht, ein weiteres Mal dort gastierten, fragte uns der Historiker Ortwin Pelc, ob wir uns vorstellen könnten 2018 im Rahmen einer geplanten Ausstellung zur Novemberrevolution ein begleitendes Theaterstück zu entwickeln. Damit rannte er bei uns offene Türen ein.

„Revolution!?“ mit all den Umbrüchen der Jahre 1918/19 scheint ein sehr umfangreiches Projekt zu sein ...

Allerdings. Regisseur Erik Schäffler und ich haben seit Januar 2017 historische Fachsymposien besucht, in diversen Archiven Quellen recherchiert, Unmengen neuer Publikationen zum Thema gesichtet und uns mit Historikern ausgetauscht. Wir haben uns tief in die Materie reingekniet.

Was war bei dieser Produktion die größte Herausforderung?

Aus der riesigen Fülle von Material ein dramaturgisches Konzept zu konzipieren, das eine Vielzahl real existierender Personen und fiktiver Charaktere so zusammenführt, dass ein spannender und nachvollziehbarer Plot entsteht. Hinzu kommt die Qual der Wahl bei den Entscheidungen, welche historischen Ereignisse einbezogen und welche ausgeklammert werden sollten.

Wie wollen Sie die Ereignisse anschaulich machen?

Wir haben in der Endphase der Produktion entschieden, uns auf die zentralen Wochen im Anschluss an den Kieler Matrosenaufstand Anfang November 1918 bis zur Zerschlagung der Rätebewegung, die Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs, sowie die ersten freien Reichstagswahlen im Januar 1919 zu fokussieren. Zentral ist eine Dreiecksgeschichte zwischen einer Hamburger Fabrikarbeiterin, die sich im Verlauf der Revolution politisiert, ihrem Mann, der sich als heimkehrender Frontsoldat völkisch radikalisiert und einem Kieler Matrosen, den die Revolution nach Hamburg „spült“.

Ist das Stück „Revolution!?“ eine Mischung aus darstellendem Spiel und Geschichtsunterricht, die zum Beispiel Schulklassen als Publikum im Fokus hat?

Das klingt nach Amalgamisierung zweier gymnasialer Oberstufenfächer. Nein, das machen wir definitiv nicht. Unsere Produktionen könnte man als „gelebte Geschichte“ bezeichnen, wir möchten Zuschauer aller Altersgruppen für diese spannende und bisher wenig erzählte Epoche unserer jüngeren Geschichte begeistern. Der November 1918 war der Beginn unserer modernen Demokratie. Andere Staaten würden so etwas jedes Jahr groß feiern! (str)