Hamburg

Bruckner, einige Nummern kleiner

Symphoniker-Konzert mit Kammermusik in der Laeiszhalle

Hamburg.  „Bruckners kleine Form“: In der Überschrift zum Kammerkonzert der Hamburger Symphoniker liegt ein Widerspruch. Ist doch der österreichische Komponist in erster Linie für seine Sinfonien ­bekannt, für die er nicht nur seinerzeit unerhört große Besetzungen verlangte, sondern die auch an zeitlicher Ausdehnung und Aufgipfelung immer neuer Abwandlungen seiner Motive alles überboten, was die Leute kannten.

Und sein Streichquintett aus den Jahren 1878/79 sollte klein sein? Nun ja, klein besetzt mit zwei Geigen, zwei Bratschen und Cello. Doch im Kleinen Saal der Laeiszhalle verblüfften die Geigerinnen Makrouhi Hagel und ­Mihela Brecelj, Daniela Frank-Muntean und Sebastian Marock an der Bratsche sowie die Cellistin Li Li eins ums andere Mal damit, wie sehr Bruckners sinfonische Handschrift durch die Zeilen leuchtete – seine Art, einen Gedanken in aller Ruhe zu entfalten, dann harmonisch auf eine neue Ebene zu heben und ihn auch dort noch einmal weiterzuentwickeln. Die Gelassenheit, mit der er seine Motive im Vertrauen auf ihre Wirksamkeit bis zur Trance wiederholt. Das hörbar Strukturelle, Architektonische seiner Schreibweise.

Das alles hätte leicht zu einer Lehrstunde in angewandter Mathematik ausarten können. Doch da waren die Musiker vor. Sie nahmen noch kleine Details so wichtig, dass die Klangfarben nur so aufleuchteten. War das nicht doch vielleicht ein Horn, das da im Trio sang? Oder eine Flöte, die sich aufschwang? Dass der ersten Geigerin bei ihrem anspruchsvollen Part gelegentlich ein Spitzenton danebenging, fiel nicht ins Gewicht.

Und vorweg gab’s ein Schmankerl der seltenen Art, ein Streichquartett für Geige, Bratsche und zwei Celli (mit Mariusz Wysocki) von dem russischen Romantiker Anton Arensky. Was für ein wunderbarer Ausflug in eine dunkel und melancholisch gefärbte Klangwelt, auch er bewusst und fein gestaltet.

Das Publikum war nicht gerade ­üppig besetzt, das kennt man ja von der Kammermusik, da muss der permanente Ausnahmezustand in der Elbphilharmonie erst noch zeigen, dass er mehr ist als eine Scheinblüte. Aber die, die da waren, hörten wirklich zu, respektierten die Pausen als untrennbaren ­Bestandteil der Musik und wirkten mit daran, dass das entstand, was ein Konzert im Gelingensfall zu etwas Einzigartigem macht: eine hoch konzentrierte Zwiesprache zwischen Ausführenden und Publikum.

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