Hamburg

Nora Kaminski kämpft allein gegen die Dorfgemeinschaft

In der dritten Folge der „Praxis mit Meerblick“ muss sich die Ärztin vor Gericht verantworten

Hamburg. Wenn es mit der Karriere nicht mehr läuft, bleibt immer noch die Flucht aufs Land. So oder so ähnlich dachte sich das wohl auch Nora Kaminski (Tanja Wedhorn), als sie nach ihrem Job-Aus als Schiffsärztin eines Kreuzfahrtdampfers in der „Praxis mit Meerblick“ auf Rügen aufschlug. In der wohlbehüteten Arbeitsstätte ihres Studienfreunds Richard Freese (Stephan Kampwirth) will die gebeutelte Medizinerin wieder auf die Beine kommen – und das in der vermeintlich idyllischen Abgeschiedenheit der Insel. Doch ganz so nett will es auch nach der ersten Eingewöhnungsphase nicht werden. Statt mentaler Streicheleinheiten bekommt die Ärztin die raue Seite der norddeutschen Eigenbrötler zu spüren.

Was in den ersten beiden Folgen der ARD-Serie noch subtil durch die eigentliche Handlung schimmerte, wird nun in der Episode „Der Prozess“ zum offenen Schlagabtausch. Während Nora wegen ei-nes vermeintlichen Behandlungsfehlers mit Todesfolge vor Gericht um ihre Unschuld kämpft, rümpft die Dorfgemeinde kollektiv die Nase. Leider bleibt Tanja Wedhorn als Nora Kaminski überraschend farblos. Die Rolle der prinzipientreuen Rebellin nimmt man der recht steifen Wedhorn genauso wenig ab wie ihre trotzige Haltung vor Gericht. Das mag auch an einem Drehbuch liegen, das von einem Klischee ins nächste springt.

„Praxis mit Meerblick: Der Prozess“,
Freitag, 20.15 Uhr, Das Erste