Hamburg

Satiriker Axel Pätz: Ein Spieler mit Tasten und Worten

Hamburger Musikkabarettist feierte mit „Das Niveau singt – Premium Gold“ Premiere

Hamburg.  Vor zehn Jahren saß er noch auf einem abgewetzten Cocktailsessel aus den 50ern am Klavier. Den bekam Axel Pätz später vom Kulturzentrum Motte in Ottensen geschenkt. Nun wendet er sich auf einem gepolsterten Bürodrehstuhl ans Publikum im Lustspielhaus. Oder wagt vor dem Flügel ein Tänzchen, das Akkordeon vor den Bauch geschnallt und besingt den „Rollator“ – als hätte Rocco Granata, der italienische Schlagersänger früherer Zeit, ein komisches Pendant gefunden.

Längst ist der Satire-Spätentwickler Pätz einer der gefragtesten Tastenkabarettisten der Republik. Weshalb, zeigte die Premiere seines Jubiläumsprogramms „Das Niveau singt – Premium Gold“. Im Lustspielhaus vereinte Pätz nicht nur das Beste aus vier Programmen in zehn Jahren, von „Die ganze Wahrheit“ bis zur „Realipätztheorie“. Der frühere Sänger und Chorleiter amüsierte auch mit Neukompositionen.

Etwa bei „Emanuelle“ mit einem verdammt anzüglichen Text, bis klar wird, dass Pätz hier bloß ein Lied auf die professionelle Zahnreinigung singt. Seinem inzwischen von anderen Kleinkünstlern gecoverten Hit vom „Aufsitz-Rasenmäher“ lässt Meister Pätz konsequent sein neues vom „Laubpuster“ folgen – derartig schwarzhumorig, als herrsche schon wieder trister Herbst. Das Tolle am virtuosen Tasten- und Wortspieler: Er changiert zwischen gesellschaftlichen Themen wie in „Morgen gründen wir ’ne Bank“ und seiner nach dem Fall Hoeneß aktualisierten geliebten Hass-Hymne „Ich bin Bayern-Fan“ bis zum absurd-überhöhten Alltagswahnsinn: Mit „Chill mal!“, dem von der jüngeren seiner zwei erwachsenen Töchter inspirierten Song, beschreibt er nicht nur die Zustände im Hotel Mama. Er holt die mit ihm gealterten Eltern ab und nimmt sie mit auf seine Tastentour.

Doch der Musikkabarettist kann es auch mal ohne Instrument: Wie er auf der Suche nach einer richtigen Adresse als vergesslicher Vater an der (fiktiven) „Service-Hotline der Familie Pätz“ verzweifelt, ist eine komische Schauspielnummer für sich. Dabei ist Pätz (61) ja noch gar nicht reif für die „Ü-80-Party“: Den schmissigen Akkordeon-Song als Satire auf die alternde Gesellschaft spielt er zur Freude des Publikums als eine von drei Zugaben.

„Realipätztheorie“ Mi 9.5. Goßlerhaus in Blankenese, + Sa 6.10., Lustspielhaus
„Das Niveau singt – Premium Gold“
wieder Do 29.11., Lustspielhaus; www.axelpaetz.de

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