Hamburg

Ein Sender nur für Serien-Fans

Die Mediengruppe RTL startet Now US speziell für amerikanische Mehrteiler – vorerst aber nur im Internet

Hamburg. Zuerst die gute Nachricht. Die Mediengruppe RTL hat vorgestern einen neuen Sender gestartet – spezielle für Freunde von US-Serien. Die kommen im regulären RTL-Programm seit einiger Zeit ja ein wenig zu kurz. Jetzt die schlechte: Bisher kann man Now US nur über das Internet empfangen. Und das geht leider nicht so einfach wie bei Netflix oder Amazon Prime Video. Dennoch ist Oliver Schablitzki zuversichtlich. Das muss er auch. Er ist nämlich der Chef von Now US.

„Wir wollen“, sagt Schablitzki, der auch Nitro leitet, „unsere Auslage erweitern.“ Grundsätzlich kein schlechter Gedanke, zumal wenn man mehr im Keller liegen hat, als man im Programm zeigen kann. Denn so beliebt US-Serien bei den großen Streaming-Diensten auch sind, so schwer tun sie sich im frei empfangbaren Fernsehen – nicht nur bei RTL.

Nehmen wir „Modern Family“. Auf im Schnitt 7,6 Prozent Marktanteil bei RTL kam die Serie. Zu wenig für das Hauptprogramm. „Aber“, sagt Schablitzki, „das sind ja trotzdem noch sehr viele Zuschauer.“ In guten Zeiten schon mal fast eine Million.

Die will RTL nicht kampflos aufgeben. Zumal „Modern Family“ ja kein Einzelfall ist. Deshalb gibt es jetzt Now US – und zwar jeden Abend linear, also mit Programm von 20.15 Uhr bis sechs Uhr in der Früh. Und jederzeit auf Abruf. Jeweils bis zu 30 Tage nach Ausstrahlung kann man sich die Folgen „on demand“ ansehen.

Jetzt wird es ein wenig kompliziert. Das reguläre Online-Angebot ist nur über die RTL-Plattform TV Now zu sehen. Die beinhaltet alle Sender der Gruppe im Netz, kostet aber nach einem freien Probemonat 2,99 Euro im Monat. Das kann man Pay-TV nennen, RTL nennt es „technische Zugangsgebühr“. Wer sich darauf beschränkt, einzelne Folgen bei Now US abzurufen, zahlt allerdings gar nichts. „Und junge Leute“, weiß Schablitzki, „lieben es ja, ihre Serien zu schauen, wann sie wollen. Sie richten sich nicht gerne nach vorgeschriebenen Zeiten.“

Sofern das Angebot stimmt. Davon ist der Senderchef überzeugt. „Breaking Bad“ gibt es, „Anger Management“, „Glee“, „12 Monkeys“, „Suits“ oder „White Collar“. Vieles ist frei empfangbar schon mal gelaufen. „Aber“, sagt Schablitzki, „wir zeigen auch Staffeln, die es außerhalb des Bezahlfernsehen noch nicht zu sehen gab.“

Recht problemlos läuft das alles auf dem Smartphone, dem Tablet oder am Computer. Wer allerdings den Wohnzimmerfernseher bevorzugt, braucht einen Amazon Fire Stick, Apple TV oder einen Chrome­cast.

Eine App für internetfähiges Fernsehen gibt es bisher nicht. Dort kann man das Angebot nur über den Internet-Browser aufrufen. Was ungefähr so komfortabel ist, wie eine Tomatensuppe mit der Gabel zu essen. Soll alles einfacher werden, verspricht der Senderchef und geht sogar noch einen Schritt weiter. „Wir schließen“, sagt Schablitzki, „andere Verbreitungswege für Now US langfristig nicht aus.“