Hamburg

Klassisches Familienunternehmen

Mischa, Lily und Sascha Maisky mit den Moscow Virtuosi in der Elbphilharmonie.

Hamburg. Ein bisschen Extra­vaganz muss sein. Das weiß der gerade 70 Jahre jung gewordene lettische Cellist Mischa Maisky. Sein Markenzeichen sind seit vielen Jahren seine schönen langen (inzwischen weißen) Haare. Im Frack tritt der einstige Rostropowitsch-Schüler schon Ewigkeiten nicht mehr auf. Wehende, schicke, glitzernde Hemden führt er vor, meist zwei pro Konzert. So auch bei seinem ausverkauften Abend mit den Moscow Virtuosi in der Elbphilharmonie. Mozart, Tschaikowsky und Beethoven standen auf dem Programm. Mit von der Partie waren Maiskys Kinder: Tochter Lily am Klavier und Sohn Sascha an der Geige.

Beethovens Tripelkonzert wurde so zur klassischen Familienangelegenheit. Den relativ leichten Klavierpart komponierte Beethoven vermutlich für einen Schüler, in der Sologeige geht’s aber zur Sache. Und die machte Sascha Maisky gut. Präzise die Abstimmung mit dem Cellopart. Ein bisschen mehr Variabilität im Ton und ein gelösteres Spiel hätte man sich vorstellen können, auch Lily Maisky wirkte am Klavier eher zurückhaltend. Die Kinder schienen dem ­berühmten Vater den Vortritt im Rampenlicht lassen zu wollen. Das Cello hat tatsächlich die ­attraktivsten Soli, Beethoven schrieb den Part für einen Cellisten-Star des 19. Jahrhunderts: Anton Kraft. Maisky kostete etwa das schöne Solo zu Beginn des langsamen Satzes mit warmem Ton und abgerundeter Phrasierung voll aus.

Auch im zweiten Teil überzeugte Maisky besonders mit lyrischem, nach innen gekehrtem Spiel. Nur manchmal in Tschaikowskys Nocturne für Cello und Orchester op. 19 drückte Maisky den Tönen unnötig kitschige Schluchzer auf. Das gilt auch für die langsameren ­Abschnitte in Tschaikowskys virtuosen Rokoko-Variationen zum Abschluss, die Maisky senior technisch brillant und in teilweise atemberaubenden Tempi lieferte.

Die Moscow Virtuosi erwiesen sich bei ihren Orchester-Soli – Mozarts ­Divertimento F-Dur KV 138 und drei ­Bearbeitungen von Tschaikowskys „Jahreszeiten“-Klavierzyklus – als hervorragend harmonierendes und klanglich fein abgestimmtes Kammerorchester. Allerdings spielten sie bei Beethovens Tripelkonzert und ebenso bei Tschaikowsky ­Arrangements der Originalversionen für Kammerorchester von Alexey Strelnikov. Der angespanntere, in der Besetzung reduzierte und zum Teil auch spröde Klang besonders im Tripelkonzert und den Rokoko-Variationen war gewöhnungsbedürftig. Manch einer wird sich nach dem Original gesehnt ­haben.