Hamburg

Dieses Konzert wurde der Musik nicht gerecht

Hamburg.  Da war irgendwie der Wurm drin. Schon die Besetzung von Mozarts wohl bekanntestem Stück: eine zweifelhafte Idee. Guy Braunstein, Erster Gastkünstler und damit auch regelmäßiger Gastdirigent der Symphoniker Hamburg, bevölkerte die Bühne der Laeisz­halle in der eigentlich als Quintett notierten G-Dur-Serenade mit üppigen 36 Streichern – und machte so aus der kleinen eine ziemlich große Nachtmusik. Besonders intim klang das nicht mehr, sondern satt und orchestral – und manchmal auch etwas grob, vor allem im Menuett. Rumpeldipumpel statt höfischer Eleganz: Ob das wirklich Mozarts Menuettmotto war?

Zum vierten Klavierkonzert von Beethoven passte der sinfonische Sound besser, dort emanzipiert sich das Orchester von der Begleitfunktion und wird zum gleichberechtigten Gegenüber des Solisten. Denis Kozhukhin spielte den Solopart kraftvoll, präzise und differenziert, entfachte aber auch nur einen Teil jener Zauberkraft, der dieser Musik eigentlich innewohnt. Gerade im langsamen Satz hätte Kozhukhin die lyrischen Passagen noch verträumter, noch poetischer auskosten können.

Doch magische Momente blieben Mangelware. Auch nach der Pause, in der dritten Sinfonie von Brahms. Die mitunter wackligen Einsätze der Bläser waren nur eins von mehreren Symptomen für das Fehlen einer klaren, gemeinsamen Linie bei den Symphonikern. Guy Braunstein machte schlicht zu wenig aus seiner Führungsrolle. Er setzte kaum Impulse und leitete die Musik mit einer gleichförmigen, wenig inspirierten Körpersprache. Viele Phrasen hatten keine eindeutige Richtung und waren deshalb auch nicht zusammen geatmet und intoniert; da wäre mehr dirigentische Initiative nötig gewesen. Aber Braunstein verwaltete weiter vor sich hin, damit wird man der Musik nicht gerecht.