Kultur

Raus aus dem Ich-Knast

Ein Stapel von Büchern selbst bildet meinen Nachttisch, je mehr „Wälzer“, umso stabiler die Konstruktion.

Ganz oben – aus Gründen der aktuellen Bearbeitung für die Bühne: „Panikherz“. Eigentlich bin ich kein Fan von Popliteratur, aber dieses Buch von Benjamin von Stuckrad-Barre zog mich ziemlich schnell in seinen metafiktional-autobiografischen Strudel hinein. Wichtig ist nicht, wie etwas tatsächlich war, sondern wie man sich daran erinnert. Eine Geschichte muss nicht wahr sein, sie muss stimmen.

Das Fundament meines Nachttischs bildet das Buch eines Genies: „Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace, 1600 Seiten ohne erkennbare Narration, trotzdem ein Buch zum Einverleiben – eine Figur darin öffnet, aus Angst davor, blind zu sein, nie die Augen.

Weitere Bausteine meines Nachttischs sind „Die Möglichkeit einer Insel“ von Michel Houellebecq: die absehbare Selbstersetzung der unvollkommenen menschlichen Spezies durch eine genetisch verbesserte Neuausgabe, die physisch nicht zum Unglück fähig ist – und das Sachbuch „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahneman. Es verrät einem, wie der Titel schon sagt, wie man so denkt bzw. glaubt, rational zu entscheiden, dabei aber kognitiven Verzerrungen anheimfällt.

Wenn ich lese, sitze ich in meinem Sessel, Zweisitzer oder liege im Bett. Auf Zugfahrten geht lesen auch sehr gut. Im Café dagegen brauche ich ewig für einen Satz!

Warum lesen? Literatur entführt einen aus dem Ich-Knast, sie zeigt auf, prangert an, macht schlauer und manchmal angenehm müde.

Sebastian Zimmler gehört seit der Spielzeit 2009/2010 zum Ensemble des Thalia Theaters. Ab 17.3. spielt er dort in „Panikherz“.