Hamburg

Schauspieler Ulrich Pleitgen mit 71 Jahren gestorben

Hamburg. Man muss nicht gleich sagen, dass der Vorabendserien-Darsteller ein ewig unterschätzter Akteur im Unterhaltungsgeschäft ist. Aber das Rampenlicht strahlt heller auf die Primetime-Schauspieler. Wobei Ulrich Pleitgen auch zur besten Sendezeit zu sehen war, auch das nicht zu knapp. Aber „Familie Dr. Kleist“, die Serie, in der Pleitgen einen Apotheker spielte, und „Nicht von schlechten Eltern“, jene andere Familienserie, in der er einen Kapitän zur See verkörperte, waren klassische ARD-Vorabendprodukte. Letztere war es besonders, die Pleitgen bekannt machte. Für die Verkörperung des Oberhaupts einer Bremer Familie bekam er 1994 einen Bambi, und so darf man wohl sagen: Pleitgen war vor allem ein Held des frühen Abends.

Als Kapitän und Vater mit sonorer Stimme – wahrscheinlich lernte man den Begriff „sonor“ durch ihn überhaupt erst kennen – war Pleitgen in „Nicht von schlechten Eltern“ eine höchst verlässliche Figur, die man als Ruhepol auch des eigenen Lebens wahrnehmen konnte. Damit erfüllte er eine nicht zu unterschätzende Funktion von Fernsehserien, auch wenn „Nicht von schlechten Eltern“ mit 39 Folgen eine eher kurze Lebensdauer hatte.

Der Schauspieler, der im „Tatort“ ebenso seine Auftritte hatte wie auf dem „Traumschiff“, war tatsächlich das, was man einen vielseitigen Künstler nennt: Er spielte im mit einem Goldenen Bären prämierten RAF-Film „Stammheim“ (1986), aber auch in Fernsehfilmen wie „Mit fünfzig küssen Männer anders“ (1999). Pleitgen wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem 1984 von „Theater heute“ als „Schauspieler des Jahres“. Nach Stationen am Berliner Schillertheater, in Basel, Bochum, Frankfurt und Stuttgart kam er 1980 ans Thalia Theater in Hamburg.

Zuletzt war der 1946 in Hannover geborene Pleitgen 2016 als Großvater und Ökoaktivist in „Immer Ärger mit Opa Charly“ im Ersten zu sehen. Damals hatte er erklärt, dass er in der Rolle durchaus eine Parallele zu sich selbst sehe: „Auch ich habe keine Lust, im Kopf alt zu werden und bin aktiv.“

Zu Pleitgens Serieneinsätzen zählten auch seine Auftritte als Kommissar Matthias Sander in „K3 - Kripo Hamburg“.

Seine Rollen lernte er nach eigenen Angaben am liebsten an der Außenalster in Hamburg. Hier saß er zur Freude mancher Fans und Touristen mit seinen Drehbüchern oft auf einer Bank oder wanderte am Ufer entlang. „Mein Büro ist die Alster. Ich bin ein Allwettermann. Mir ist es egal, ob es stürmt, regnet, schneit oder die Sonne brennt. Ich kann meine Rollen am besten gehend unter freiem Himmel lernen“, erzählte er einmal auf seiner Webseite. Seiner Stimme war es zu verdanken, dass Pleitgen auch als Sprecher für Hörbücher reüssierte.

Am Mittwoch ist der beliebte und bekannte Schauspieler Ulrich Pleitgen, wie seine Agentin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur bestätigte, im Alter von 71 Jahren in Hamburg an Herzversagen gestorben.