Hamburg

Eigenheimidylle am Abgrund

Spannende Wendungen im neuen Krimi der Reihe „Unter anderen Umständen“ mit Natalia Wörner

Hamburg. Am Anfang sieht es ganz nach einem Krimi aus, der nicht mehr erreichen will, als altbekannte Muster abzuspulen. Ein junges Mädchen aus der Ukraine, eine Prostituierte, liegt tot in einem Waldstück, von Wildschweinen grausam angeknabbert. Schon in der Nacht zuvor war bei der Polizei ein anonymer Anruf eingegangen – die Anruferin hatte behauptet, aus der Ferne Misshandlungen an einer Frau in einem Waldstück gesehen zu haben. Was ist geschehen?

Routiniert beginnen die Ermittlungen, aber bald nimmt der Film der Reihe „Unter anderen Umständen“ Fahrt auf. Der Zuschauer muss sich konzentrieren, um bei den überraschenden – und höchst spannenden – Wendungen den Überblick nicht zu verlieren.

Lebenslügen und Geheimnisse

Die Ermittlungen spielen sich in einer vergifteten Arbeitsatmosphäre ab. Kommissarin Jana Winter (Natalia Wörner), Abteilungschef Arne Brauner (Martin Brambach) und der ewige Rabauke Mathias Hamm (Ralph Herforth) haben stets Hühnchen miteinander zu rupfen, doch in „Das Geheimnis der Schwestern“ durchleben sie eine echte Vertrauenskrise.

Winter hat von höherer Stelle ein Angebot bekommen, das ihre berufliche Zukunft rosig aussehen lassen würde. Es soll vorerst geheim bleiben. Doch der misstrauische Chef, immer noch voller Komplexe wegen seiner einstigen Alkoholsucht, hat längst ihren Schreibtisch durchsucht. Er ist fündig geworden und setzt den Kollegen Hamm schon mal in Kenntnis.

Dem glänzenden Drehbuchautor André Georgi ist daran gelegen, die Umstände zu zeigen, die zum Mord geführt haben. Es geht um die Schäbigkeit derer, in deren Welt sich das Opfer bewegt hat. Um die Schilderung von Machtmissbrauch, Demütigung und Unterdrückung.

In den Mittelpunkt der Ermittlung gerät zunehmend die Frau, die den Notruf getätigt haben soll. Sie sei mit ihrer Schwester spazieren gegangen und habe dabei die brutale Szene von Ferne mit angesehen. Die Ermittler haben ihre Zweifel. Vor allem, weil Brauner bei der Wiedergabe des Notrufs im Hintergrund einen Mann gegen eine Tür pochen hört. Vom Wald aus kann der Notruf also nicht gekommen sein. „The plot thickens“ heißt es so treffend im Englischen, wenn die Handlung sich plötzlich verdichtet, drängender und umfangreicher wird. Genau das geschieht in diesem Film, der einige Geheimnisse an den Tag bringen wird.

Regisseurin Judith Kennel hat wohltuend ruhig einen spannenden Krimi inszeniert, der nach und nach ein Familiendrama offenlegt. Dabei werden auch Geheimnisse offenbart, regelrechte Lebenslügen, die eine mühsam gezimmerte Eigenheimidylle alsbald einstürzen lassen. Was zunächst aussieht wie ein Routinefall, zeigt immer wieder neue spannungsreiche Bögen. Wie immer sind auch dieses Mal viele Szenen geprägt von Konfrontationen zwischen den Kollegen. Der Schauspielerin Natalia Wörner mit ihrer klugen, etwas spröden Art schaut man jedoch immer wieder gerne zu.

„Das Geheimnis der Schwestern“,
Montag, ZDF, 20.15 Uhr