Kultur

Die Angst besiegen

Auf meinem Nachttisch liegt das Buch „Ich bin mal eben wieder tot“ von Nicholas Müller aus dem Herbst 2017. Schreibende Musiker haben es grundsätzlich leicht, auf meinen Nachttisch zu gelangen, egal wie schwer ihr Thema ist. Nach der fast auf den Tag ein Jahr zuvor erschienenen Autobiografie „Born to Run“ von Bruce Springsteen, in der es ja unter anderem um die Depressionen des Autors und die Flucht in die Musik geht, nun also ein Buch eines deutschen Musikers über seine Angstattacken.

Müller war der Sänger und Textdichter der Band Jupiter Jones, deren Titel „Still“ 2011 das meistgespielte Lied im deutschen Radio war. Letzteres ist insofern wichtig zu wissen, weil im Buch erstmals klar wird, dass in genau diesem Lied jenes Ereignis beschrieben und verarbeitet wird, das Auslöser für Müllers fast zehn Jahre andauernde fürchterliche Panikattacken war – der Tod seiner Mutter. Den wenigsten Hörern wird das damals klar gewesen sein.

Die Erzählung trägt den Untertitel „Wie ich lernte, mit der Angst zu leben“. Genau diese Erläuterung liefert der Autor eindrücklich und kommt mit seiner offenen, sich selbst gegenüber schonungslosen, aber sensiblen Schreibe ganz nah an mich heran. Dezidiert erzählt er von der nahenden Attacke, der Fratze Angst, aber auch von deren Überwindung. Müllers Sprache ist einfach, er zeigt sich verletzlich, und genau dieser Umstand macht das schwere Thema fassbar. Eigentlich ist das Buch eher ein überlanger Songtext mit einem Ende, das hoffnungsvoll stimmt.

Mag sein, dass „Ich bin mal eben wieder tot“ eine ganz andere Einordnung erfährt von Lesern, die an derselben Krankheit leiden wie der Autor. Mich hat vor allem seine kompromisslose, aber feinfühlige Erzählweise beeindruckt.

Alexander Schulz ist Chef des Reeperbahn Festivals (19. bis 22. September) und Leiter des Elbjazz Festivals (31. Mai bis 2. Juni).