Hamburg

Musiktheater ohne Kostüme und Kulissen

Die Premiere von "La Clemenza di Tito" im Allee Theaterwar so anrührend wie aufregend

Hamburg. Der Verzicht auf Kulissen, Kostüme und szenisches Spiel in einer konzertanten Opernaufführung muss kein Nachteil sein. Weil die Musik auf diese Weise viel mehr Aufmerksamkeit bekommt. Und das lohnt sich, gerade wenn sie von Mozart stammt. Bei der Premiere von "La Clemenza di Tito" im Allee Theater – die erste Koproduktion der Kammeroper mit der Hochschule für Musik und Theater – vermisste man jedenfalls nichts, im Gegenteil: So anrührend, abwechslungsreich und aufregend wie dort ist das Stück über die gnadenlose Güte des Kaisers Titus nur selten zu erleben. Vor allem dank eines von Dirigent Ulrich Windfuhr präzise angeleiteten Teamworks. Die sonst übliche und oft problematische Kluft zwischen Bühne und Graben war geschlossen, weil das studentische Symphonieorchester der Hochschule dicht gedrängt und hoch konzentriert mit auf der kleinen Bühne saß und so den Solisten den Rücken stärkte.

In der fast wohnzimmerhaft intimen Akustik entfachte Mozarts letzte Oper einen unerhörten Reichtum an Nuancen und packende Dramatik. Ein vor Erregung bebendes Tremolo der Streicher fährt einem ja ganz anders durch Mark und Bein, wenn man nur ein paar Meter vom Orchestergeschehen entfernt sitzt.

Auch die Stimmen der Sänger gehen hier viel direkter ins Ohr und zu Herzen. Unter den jungen Solisten des Abends gehörte die Hamburger Sopranistin Sophie Magdalena Reuter zu den größten Entdeckungen, die in der Partie der Servilia mit weichem Timbre und dichtem Legato betörte – etwa in einem hinreißenden Duett mit der ähnlich vielversprechenden Mezzosopranistin Melina Meschkat als Annio. Die spanische So­pranistin Maria Martin Gonzalez brauchte ein Weilchen, um ihre Höhe frei leuchten zu lassen, während dem Tenor Richard Neugebauer sein Respekt vor der anspruchsvollen Titelrolle bis zum Schluss anzumerken war und Joris Rubinovas als Publio wenig Gelegenheit hatte, seinen warmen Bass strömen zu lassen. Vokales Kraftzentrum der Aufführung war die erfahrene Kammeroper-Sopranistin Feline Knabe mit ihrer ausdrucksvollen und facettenreichen Interpretation des Sesto.

Was all diese Figuren im Intrigenspiel um den römischen Kaiser Titus miteinander zu schaffen haben, fasste Moderator Lutz Hoffmann kurzweilig in seinen Zwischentexten zusammen. Sie ersetzten die Rezitative und trugen entscheidend dazu bei, das dramaturgisch nicht grade einfache Stück zu einem knapp zweistündigen Operngenuss zu komprimieren.

Weitere Vorführungen: 16./17.2. je 19.30,
18.2., 19.00, Allee Theater, Max-Brauer-Allee 76, Karten zu 25,- bis 39,50 unter T. 38 29 59

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