Berlin

Ich bin kein Star, holt mich hier raus

„Bitte wer?“: Noch nie waren die Kandidaten des RTL-Dschungelcamps derart unbekannt wie in diesem Jahr

Berlin. Das Dschungelcamp ist inzwischen die altehrwürdige Dame unter den Trash-Shows. Ihre jüngsten Ableger sind derart entfesselt, dass „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ im Vergleich dazu wirkt wie die Carmen-Nebel-Show: In „Love Island“ auf RTL2 hatten ein Dutzend Bodybuilder und Bikini-Ladys keine andere Aufgabe, als um einen Pool herumzuhüpfen und Paarungsbereitschaft zu signalisieren. In „Get the F*ck out of my House“ (Pro7) wurden gar 100 Kandidaten in ein Haus gepfercht – die sich daraus ergebenden Hygienekatastrophen bildeten den dramaturgischen Schwerpunkt. Ein Tiefpunkt abendländischer Fernsehkultur.

Die neuen Formate pfeifen auf kostspielige Stars – in dieser Hinsicht scheint sich die neue, inzwischen zwölfte Runde des Dschungelcamps, das heute um 21.15 Uhr auf RTL startet, an die junge Konkurrenz anzupassen. Bisher gab es in jeder Staffel immer noch ein, zwei Kandidaten, die eine echte Karriere hinter sich hatten. Damit ist Schluss. „Wir haben dieses Jahr die große Herausforderung, im Dschungelcamp Leute zu sehen, die man eigentlich nicht kennt“, sagt Trash-TV-Experte Julian Stoeckel (30). 2014 war der Schmuckdesigner aus Berlin ebenfalls im Camp und traf dort immerhin auf Schauspielveteran Winfried Glatzeder. „Die Show lebt von den Geschichten großer Stars“, findet Stoeckel.

Tatjana Gsell soll für Geschichten sorgen

Tatsächlich sorgten bisher Promis mit verblasstem Ruhm für die reizvollsten Momente. Nämlich dann, wenn sie sich in die gebrochene Seele schauen ließen und gleichzeitig versuchten, zwischen Kakerlaken und Plumpsklo ihre Würde zu bewahren. So packte Sylvester-Stallone-Exfrau Brigitte Nielsen am Lagerfeuer über ihre Affäre mit Arnold Schwarzenegger aus oder Schauspielerin Ingrid van Bergen über die Nacht, in der sie ihren Geliebten erschoss.

Eine Frau mit Geschichte ist immerhin dabei: Tatjana Gsell (46), deren Mann, ein Schönheitschirurg, einst unter mysteriösen Umständen starb. „Sie könnte zu einer großen Sympathieträgerin werden, weil sie was erlebt hat“, glaubt Stoeckel. Die Zuschauergunst folgt eben ihrer eigenen Logik. Auch Natascha Ochsenknecht (53), die sich schon bei „Promi Big Brother“ als Gruppenmutti bewährte, sieht er als Favoritin. Der Name Ansgar Brinkmann (48), einst Profi bei Arminia Bielefeld, beeindruckt Stoeckel dagegen nicht: „Der schläft seine Zeit ab und nimmt das Geld. So wie damals Thomas Häßler.“

Weitere Kandidaten, die in den nächsten zwei Wochen Abend für Abend bei Ekel-Prüfungen und Mutproben um die Dschungelkrone kämpfen: Tina York (63) ist Schlagersängerin und Schwester von Mary Roos. Eine berühmte Schwester hat auch Jenny Frankenhauser (25), nämlich Daniela Katzenberger. Das reichte, um gebucht zu werden. Sandra Steffl (47) war Darstellerin in einzelnen Serienepisoden. Sydney Youngblood (57) hatte 1989 zwei Hits.

Die anderen fallen aus der Resterampe der Reality-TV-Shows ins Camp: Daniele Negroni (22, „DSDS“), Kattia Vides (29, „Bachelor“), David Friedrich (28 „Bachelorette“), Giuliana Farfalle (21, „Germany’s Next Topmodel“) und Matthias Mangiapane (34, „Sommerhaus der Stars“). Menschen also, die bisher nichts gewonnen und daher auch wenig zu verlieren haben.

Stoeckel jedenfalls glaubt, dass er dem Camp viel zu verdanken hat – auch wenn er nur den neunten Platz belegte: „Wäre ich nicht in den Dschungel gegangen, würde ich heute bei ,Schlecker‘ Shampoos einsortieren.“ Das wäre bitter gewesen, denn zu Stoeckels Dschungelzeiten gab es keine „Schlecker“-Läden mehr.

„Ich bin ein Star, holt mich hier raus“,
Freitag, 21.15 Uhr, RTL