Hamburg

Ein Genuss: Schubert in der Elbphilharmonie

Das Ensemble Nico and the Navigators beglückt im Kleinen Saal mit Gesang und Tanz

Hamburg. So lieblich hat man das Schubert-Lied „Der Leiermann“ selten gehört – zart interpretiert von Tenor Ted Schmitz. Von Mahler als Tableau vivant bis zu Shakespeares Sonetten hat das in Berlin ansässige Ensemble Nico and the Navigators diverse fruchtbare Fusionen aus Textklassikern, Oper, Lied und klassischer Musik auf die Bühne gebracht. Nun lud es anlässlich des Themenschwerpunkts „Winterreisen“ in der Elbphilharmonie im Kleinen Saal zu „Silent Songs Into The Wild“. Und tatsächlich hat man die klassischen Lieder von Schubert selten so frisch und dann wieder so heiter und ironisch erlebt wie bei diesem furchtlos Grenzen einreißenden Ensemble.

Schuberts Liedkunst umfasst ­Geschichten vom Wandern, der Liebe, dem Abschied. Sie wecken Assoziationen an Heimat, Fremdheit und Einsamkeit. Für eine heutige zeitgenössische Interpretation findet das Ensemble aus vier Sängern und drei Tänzern sowie einem Pianisten und einem Gitarristen, erweitert um das Apollon Musagète Quartett, unaufwendige, aber wirkungsvolle Bilder. Die Auszüge aus den bekannten Zyklen Schuberts, der an die 600 Lieder schrieb, werden zu kleinen Szenen, hinreißenden Miniaturen, die zwei unauffällige Kameraaugen links und rechts der Bühne ­beobachten.

In der Pause wärmt der Glühweinstand

Die Akteure, die allesamt in Alltagskostümen auftreten, wissen genau, wo sie sich auf den Bodenmarkierungen platzieren müssen, um auf der großen, trennbaren Leinwand in Großaufnahme zu landen. Die Bilder erweitern die – meist melancholischen – Gefühlswelten wie auch die Bewegungen der Tänzer, ­allen voran Yui Kawaguchi, die mehrere kunstvolle Soli hinlegt und ihre Wandlungsfähigkeit beweist. Anna-Luise ­Recke wiederum bespielt regelrecht die Körper der Sänger, verschmilzt mit ­ihnen oder donnert auch mal mit der Faust gegen einen Brustkorb.

Sopranistin Julia von Landsberg glänzt mit Humor. Sarah Laulan leiht ihren Kontra-Alt Geschichten von Flucht. Die meisten Lieder seien ja eher melancholisch, konzediert das Ensem­ble, um dann beim „Abschied“ besonders fröhlich über die Bühne zu tanzen. Am Ende, nach drei Stunden, wenn das d-Moll-Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“ erklingt, entlädt sich die ­Begeisterung der Zuschauer. Einige wärmten sich in der Pause renovierungsbedingt frierend beim Treppenaufgang am Glühweinstand. Dessen Getränk ließ die zeitlosen Lieder noch ein wenig wohliger klingen.

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