Hamburg

Neue Ausstellung über Auswanderung

„Lebe wohl, Heimat, Amerika ruft“ in der BallinStadt eröffnet

Hamburg.  Es kann Erstaunliches entstehen, wenn Oberstufenschüler intensiv mit einer Hochschule zusammenarbeiten. Davon zeugt die neue, sehens- und lesenswerte Ausstellung „Lebe wohl, Heimat, Amerika ruft“, die jetzt im Auswanderermuseum BallinStadt eröffnet wurde. Die elften und zwölften Klassen des Salza-Gymnasiums Langensalza haben, unterstützt von der Robert-Bosch-Stiftung, mit der Universität Jena drei Jahre lang ein Thema erforscht, das sehr gut in die BallinStadt passt: die Auswanderung von rund 10.000 Thüringern nach Amerika im 19. Jahrhundert. Initiator ist Michael Neumann, ein engagierter Lehrer für Geschichte, Sport und Politik, dem auffiel, dass das gesamte Thema nahezu unerforscht war.

Viele ausreisewillige Thüringer sind zwar über Bremen über den Großen Teich gezogen, doch einige auch über Hamburg. Allein deshalb ist die gründlich recherchierte Schau hier richtig. Einiges auf den 27 Schautafeln ist überdies allgemein gehalten: Dass im 19. Jahrhundert sieben Millionen Deutsche nach Amerika ausgewandert sind, ist nur noch wenigen bekannt. Ebenso, dass 42,8 Prozent der US-Amerikaner deutscher Abstammung sind. Hier erfährt der Besucher auch, dass die Rückwandererquote zwischen knapp 4,7 und 50 Prozent lag. Und gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung ist die Vermittlung von Migration als deutsches Phänomen zu früheren Zeiten aufschlussreich. Die Thüringer, die auf acht Herzog- und Fürstentümer aufgeteilt waren, waren ähnlich unzufrieden wie die Badener, Württemberger oder Pfälzer, weil sie oft arm waren, nichts zu sagen hatten und keine Perspektiven für sich sahen.

Statistiken und Dokumente geben der Schau ein solides Fundament, aber spannender ist es, die Auswanderungsanzeigen zu lesen oder die Warnungen eines Gebeutelten „vor lügenhaften Anpreisungen“ aus dem Jahr 1834, in denen er etwa offenlegt, auf welchen Schiffen sich nicht mal im Sitzen schlafen ließ.

Zu erfahren ist, dass Johann August Röbling als berühmtester emigrierter Thüringer gilt: Er konstruierte ab 1865 die noch heute sehr moderne New Yorker Brooklyn Bridge. Ein Georg Wiedemann ging als gelernter Bierbrauer in die Staaten, erwartungsgemäß mit Erfolg, wie ein Foto seiner neuen Brauerei aus dem Jahr 1855 belegt.

„Lebe wohl, Heimat, Amerika ruft“ Auswanderermuseum (S Veddel), Veddeler Bogen 2, täglich 10.00–16.30, Eintritt frei; bis 7. Februar