Hamburg

Kulturerbejahr in Hamburg eingeläutet

Hamburg. Was hat das Franzbrötchen mit Denkmalschutz zu tun? Eine ganze Menge, wenn man den Ausführungen von Kultursenator Carsten Brosda zur Eröffnung des Europäischen Kulturerbejahres folgte. Das Franzbrötchen gehe, erklärte Brosda, auf die Franzosenzeit (1806–1814) zurück und stelle den Versuch eines Hamburger Bäckers dar, das Croissant nachzuempfinden. Die Frühstücksdelikatesse nannte Brosda als ein Beispiel für kulturelle Einflüsse aus anderen Ländern, die ihre Spuren in der Hansestadt hinterlassen haben. Der Kultursenator erwähnte außerdem die Deichanlagen, nach holländischem Vorbild errichtet, oder das Wirken des Londoner Ingenieurs William Lindley im 19. Jahrhundert, auf den das Trinkwassersystem zurückgeht und der die erste Eisenbahnlinie nach Bergedorf plante.

Zum ersten Mal seit mehr als 40 Jahren gibt es 2018 wieder ein Europäisches Denkmalschutz-Jahr. In Anwesenheit von Kulturstaatsministerin Monika Grütters wurde es gestern im Hamburger Rathaus unter dem Titel „Sharing Heritage“ feierlich eingeläutet. Es geht auf eine Initiative des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz zurück und wird von Bund, Ländern und Kommunen gefördert. 130 verschiedene Projekte sind festgezurrt, die Initiatoren rechnen mit 500 Projekten und mehr als 1000 Veranstaltungen allein in Deutschland. Die wesentliche Aufgabe soll die Vermittlung von Kulturerbe an Kinder und Jugendliche sein. „Es soll Lust machen auf Europas reiche Geschichte. Es geht darum, das einst Fremde im Eigenen quasi vor der Haustür spielerisch zu entdecken“, so Brosda.

Grütters wies darauf hin, dass die Europäer es geschafft hätten, das Gemeinsame über das Trennende zu stellen: „Es sind die Meisterwerke der Kunst und Architektur und die darin sichtbaren Spuren bereichernden Austauschs wie auch die darin eingebrannten Narben leidvoller Konflikte, die eindringlich vermitteln, wie die Bürger Europas einander über nationale Grenzen hinweg verbunden sind.“ Das Europäische Kulturerbejahr führe uns 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges vor Augen, wie hart errungen Demokratie, Toleranz und Freiheit in Europa seien.