Kultur

Eine Frau geht ihren Weg

Ich bin immer auf der Suche nach Theaterstücken, natürlich, das bringt mein Beruf so mit sich. Manchmal springen mich Texte an, weil sie einfach einen so plastischen Titel haben. So war es auch mit „Die Frau, die gegen Türen rannte“, ein Theatertext, der auf einem Roman von Roddy Doyle beruht, geschrieben bereits 1996, aber bisher an mir vorbeigegangen. Kennen Sie Roddy Doyle? Oder kennen Sie den großartigen Film „Die Commitments“, über einen Haufen irischer Jugendlicher, die eine Soul-Band gründen? Ich habe den Film geliebt. Roddy Doyle hat die Romanvorlage geschrieben.

Ich mag den Titel des Buches sehr, „Die Frau, die gegen Türen rannte“. Er sagt ohne Wertung und pädagogischem Zeigefinger, dass es im Buch um eine Frau gehen muss, die die Schläge, die sie einsteckt mit Ausreden kaschiert. Sehr lakonisch, ohne Vorwürfe an sich oder andere, beschreibt Paula Spencer ihr Leben. Sie ist Ende 30, Frau von Charlo Spencer und Mutter von vier Kindern, Alkoholikerin und jetzt Witwe, denn Charlo ist bei einem Einbruch von der Polizei erschossen worden. Charlo, den sie heiß liebte und der sie schlug, bis sie ihn vor die Tür setzte. Mich beeindruckt die Stärke dieser Paula Spencer mit der sie wertfrei heißesten Sex und brutalste Gewaltexzesse nebeneinanderstellt. Und ich mag den unaufwendigen und trotzdem stolzen Sprachduktus, den Roddy Doyle ihr gibt. Es gibt noch einen Nachfolge-Roman, er heißt „Paula Spencer“ und spielt zehn Jahre danach. Ich habe ihn mir bereits bestellt in der Buchhandlung. Paula hat den Absprung geschafft. Schön zu lesen.

Konstanze Ullmer ist Intendantin des Sprechwerks in der Borgfelder Klaus-Groth-Straße