Festival

„Sankt Hell“: Gnadenlose musikalische Abrissbirne

Dool beim Sankt "Hell-Festival" im Gruenspan

Foto: HA

Dool beim Sankt "Hell-Festival" im Gruenspan Foto: HA

Dem Veranstalter gelang es, für den musikalischen Jahresabschlusses im Gruenspan das bislang stärkste Line-up zu verpflichten.

Hamburg.  Zwei ausverkaufte Abende im Gruenspan mit einem Publikum in Feierlaune und Bands, die sich von der allgemeinen Euphorie anstecken ließen: Das „Sankt Hell“-Festival hat sich endgültig als musikalischer Jahresabschluss in Hamburg etabliert. Dabei gelang es Veranstalter Alban Qoku, für die dritte Auflage das bislang stärkste Line-up zu verpflichten – auch Dank seines guten Gespürs für Bands, die zum Zeitpunkt der Buchung noch wenig bekannt (und deshalb bezahlbar) waren, inzwischen aber mächtig durchgestartet sind.

Etwa Dool, eine niederländische Psychedelic-Metal-Truppe um die charismatische Sängerin/Gitarristin Ryanne van Dorst, in der auch zwei ehemalige Mitglieder der 2013 aufgelösten Okkultrock-Legende The Devil’s Blood ihren Dienst verrichten. Die Songs ihres Debüts „Here Now, There Then“ entwickelten live einen enormen Sog; mancher stand mit geschlossenen Augen vor der Bühne und ließ sich von den wilden Riffs geradezu davontragen.

Psychedelicrocker DeWolff als Tagessieger

Überhaupt stand der zweite Tag im Gruenspan dem ersten, an dem das Berliner Stonerrock-Trio Kadavar als Headliner verzückte und die Psychedelicrocker DeWolff als Tagessieger von der Bühne gingen, in nichts nach. So überraschend wie erfrischend: der Auftritt von The Picturebooks, ein Gitarre-Schlagwerk-Duo aus Gütersloh, das seinen Traum lebt und in diesem Jahr bereits 170 Konzerte gespielt hat. Tolle Melodien, eine instrumentale Urgewalt und sichtbare Freude am eigenen Tun: Zu schade, dass ausgerechnet diese Band an den Merchandise-Verkaufsständen im Saal nicht vertreten war.

Ein weiterer Höhepunkt: der Auftritt von Mantar, den (ehemaligen) Lokalmatadoren, die auf so unnachahmliche Weise Punk, Black Metal und Rock ‘n’ Roll zu einer mitreißenden Haudrauf-Mixtur verbinden. Eine gnadenlose musikalische Abrissbirne als würdiger Abschluss eines tollen Festivals.

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