Hamburg

Sechs Jahrzehnte für die Hamburger Musik

Hermann Rauhe gratuliert den Symphonikern zum Geburtstag. Am Sonntag feiern die Musiker mit einem Festkonzert und Martha Argerich

Hamburg.  Es ist mir eine große Freude, den Symphonikern Hamburg zum 60. Geburtstag zu gratulieren. Gern erinnere ich mich an eine Episode, die viel über den Geist des Orchesters und vor allem über ihren letzten Chef, den leider verstorbenen Jeffrey Tate, aussagt. Von dessen Bescheidenheit und seinem Humor zeugt die folgende Anekdote: In seiner ausgefeilten Rede zur ­offiziellen Begrüßung Jeffrey Tates bezog Intendant Daniel Kühnel die Darstellung des Guten Hirten in einem ­Relief frühchristlicher Kunst auf Tate. Dieser nahm die huldigenden Worte ­lächelnd auf und antwortete, dass er, mit einem Hirten verglichen, an ein Lieblingsgericht denke, das traditionelle irische Gericht „Shepherd’s Pie“ – und er fügte hinzu, dieses heiße in Hamburg Labskaus. Da schien also etwas von ­Anfang an zusammen zu passen.

Die Symphoniker haben in den sechs Jahrzehnten ihres Bestehens unter teilweise dramatischen Bedingungen qualitativ und quantitativ Außer­gewöhnliches geleistet. Ihre Existenz war zeitweise ernsthaft bedroht. Nur durch die starke Identifikation der ­Musikerinnen und Musiker mit dem Orchester, ihre Begeisterung für die Musik und ihre ungewöhnliche Einsatzbereitschaft konnte das Orchester überleben.

Es entstand aus dem Zusammenschluss mehrerer kleiner Orchester. 1961 nahm die Vereinigung den Namen „Hamburger Symphoniker“ an. Erster Chefdirigent war Robert Heger.

Schon 1958 beschloss die Stadt, das Orchester durch öffentliche Mittel zu fördern, denn die Symphoniker nehmen eine Fülle von Aufgaben wahr.

Ihre Abonnementskonzerte auf ­hohem musikalischem Niveau haben einen treuen Besucherstamm. Darüber hinaus waren die Symphoniker bis 2009 regelmäßig bei den Eutiner Festspielen zu Gast. Von 1960 bis 1966 spielten sie bei den Opernfestspielen Hannover-Herrenhausen. Seit 1966 finden in Hamburg die beliebten und stets ausverkauften Rathauskonzerte statt.

Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet die Symphoniker mit vielen Hamburger Institutionen, so etwa mit der Musikgemeinde Harburg. Seit 1979 kooperieren sie mit der Hamburgischen Staatsoper und dem Hamburg Ballett von John Neumeier.

Unverzichtbar ist das Orchester für die Hochschule für Musik und Theater. Seit 1968 erarbeiten die Symphoniker Opernproduktionen für das Junge ­Forum Musiktheater und begleiten die Examenskonzerte der Gesangs-, Instrumental- und Dirigentenklassen. Auch in der 2007 ins Leben gerufenen Orchesterakademie, in der die talentiertesten Studierenden der Musikhochschule Shanghai einen Masterstudiengang für Orchestermusik absolvieren, wirken die Symphoniker mit.

Eine neue Publikumsschicht ­erschließen sich die Symphoniker mit den Kinderkonzerten, die bis 1984 von Wilhelm Brückner-Rüggeberg geleitet wurden. Die Symphoniker verbinden hier klassisches Repertoire mit speziell für Kinder komponierten Werken.

Mitte der 1970er-Jahre bangten die Symphoniker um ihre Existenz, da der Senat 1975 beschlossen hatte, dem ­Orchester keine finanziellen Mittel mehr zur Verfügung zu stellen. Welchen Status das Orchester inzwischen in der Öffentlichkeit gewonnen hatte und wie hoch es in der Gunst des Publikums stand, bewies der ungeahnte Proteststurm, der auf die Senatsentscheidung folgte. Auch Helmut Schmidt, Herbert von Karajan und Leonard Bernstein setzten sich für die Symphoniker ein. Daraufhin bekundete der Senat seine Bereitschaft, den Fortbestand des ­Orchesters durch angemessene Subventionen zu sichern.

Für seine hervorragende Arbeit erhielt das Orchester 1982 zu seinem ­25-jährigen Bestehen die Brahms-Medaille der Stadt Hamburg.

2010 erfolgte die Einstufung als ­A-Orchester. Als Residenzorchester der Laeiszhalle kommt den Symphonikern heute eine wichtige Aufgabe zu.

Seit 2016 trägt das Orchester den Namen „Symphoniker Hamburg“.

Unter ihrem kreativen, innovativen Intendanten Daniel Kühnel verknüpfen die Symphoniker Bewährtes mit Neuem. Ihr unvergessener Chefdirigent Sir Jeffrey Tate war ein begnadeter Musikvermittler, ein vielseitig gebildeter, feinsinniger und charismatischer Dirigent und Interpret.

Für die Zukunft wünsche ich den Symphonikern Hamburg weiterhin viel Erfolg und die Fortführung der maßstabsetzenden Tradition Sir Jeffrey ­Tates, die von der künstlerischen Qualität des Orchesters, der Begeisterung seiner Mitglieder und des Publikums ­geprägt ist.

Unser Autor Hermann Rauhe (87) ist Ehrenpräsident der Hochschule für Musik und ­Theater Hamburg, langjähriger Vorstands­vorsitzender der Symphoniker und unterstützt das Orchester nach wie vor als Ehrenmitglied

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