Hamburg

Ohnsorg-Frau und Multitalent

Sandra Keck singt bei „Rock op Platt goes Christmas“ und moderiert im Michel

Hamburg.  In der hektischen Vorweihnachtszeit ein halbwegs ruhiges Plätzchen in der City zu finden ist gar nicht so einfach. Selbst in einem Theater nicht. Auch im Ohnsorg herrscht am späten Nachmittag schon Hochbetrieb. Doch Sandra Keck weiß Rat, sie kennt sich aus in dem großen Haus mitsamt der Polsterei – fast ist man versucht zu sagen: in der Weihnachts-Polsterei.

Denn hier im zweiten Stock ist auch ein Teil der Kulisse für ihre neue Produktion „Rock op Platt goes Christmas“ entstanden. Dabei ist sie, die schon als 14-Jährige mit ihrem kleinen Bruder Florian an der Seite des Hamburger Kinderlieder-Machers Rolf Zuckowski „In der Weihnachtsbäckerei“ sang, in der Polsterei eigentlich eine glatte Fehlbesetzung: „Ich kann überhaupt nicht nähen, meine haushälterischen Fähigkeiten sind nahezu nicht existent“, sagt Sandra Keck mit entwaffnender Ehrlichkeit. Und lacht. Keck eben.

Stattdessen hat die Frau mit den dunklen Augen und Haaren (immer schön sportlich kurz) zahlreiche andere Talente und Berufe: Schauspielerin, Regisseurin, Moderatorin, Autorin und Sängerin. Bevor Keck, die außerdem Mutter eines 13-jährigen Sohnes ist, an diesem Abend auf der Ohnsorg-Bühne in der Best-Ager-Komödie „Droomdänzers – Blütenträume“ noch mal die gutmütige Großmutter und Witwe Gila gibt, richtet sich ihr Blick nach vorn. Zum vierten Mal schon wird Sandra Keck am 8. Dezember durch den Nachmittag der Benefiz-Veranstaltung „Märchen im Michel für Kinder“ zugunsten des Abendblatt-Vereins „Kinder helfen Kindern“ führen. Dabei interpretiert die Moderatorin mit den Alsterfröschen („Die hab ich selbst gecastet“) und dem Cantus-Chor auch Songs ihres Künstlerfreundes Zuckowski. „Ich freue mich, dass sich damit ein Kreis für mich schließt“, sagt Sandra Keck. Auch bei der Abendveranstaltung im Michel wird sie zwei Lieder singen.

Zum 100. Ohnsorg-Jubiläum schrieb sie „Wi rockt op Platt“

Ein Weihnachtsmärchen wie noch 2016 „Die kleine Meerjungfrau“ inszeniert die Künstlerin, von der Freunde sagen, sie sei „ein Arbeitstier“, in diesem Jahr nicht. Mit „Rock op Platt goes Christmas“ – Premiere: 11. Dezember – hat Keck genug zu tun. Den Konzertabend hat sie konzipiert, die 50-Jährige ist dafür verantwortlich, dass er auch zündet.

„Ich bin ein Seeler-Kind“, hat sie mal so schön gesagt. Dem im Sommer nach 22 Jahren als Intendant ausgeschiedenen Christian Seeler ist sie noch immer sehr verbunden. „Er hatte immer ein offenes Ohr für meine ,Rock op Platt‘-Geschichten.“ In der Spielzeit 2002/2003, zum 100. ­Jubiläum des Ohnsorgs, schrieb Sandra Keck ihr erstes großes Stück: „Wi rockt op Platt“, ein Musical über einen ­verrückten Bauernhof in Hamburg-­Poppenbüttel. Es wurde ebenso ein Dauerbrenner wie „Rock op Platt 2“ und „3“. Auch im Nachfolger dieses populären Trilogie, „Rock op Platt – da lachen ja die Hühner“ (2014), verwurstete Sandra Keck Welthits aus Pop und Rock mit plattdeutschen Texten zu einer ­Revue.

Die Choreografie übernahm Stephan Grühn. Mit dem Stepptänzer ist Sandra Keck seit dem Jahr 2000 glücklich verheiratet. Wie Sohn Gregory sei ihr Mann eher ein „Weihnachtsmuffel“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Auf Stephan Grühn kann und will sie aber bei der neuen Arbeit ebenso wenig verzichten wie auf Stefan Hiller. Er übernahm einmal mehr die musikalische Leitung und schrieb die Arrangements für „Rock op Platt goes Christmas“. Auch Mariah Careys „All I Want For Christmas Is You“ zählt (auf Englisch) zum Programm. Sandra Keck weiß, was sie an ihrem Musikmeister hat. Er sage immer „Geht nicht gibt’s nicht“, erzählt sie.

Ihre Zusammenarbeit besteht seit 1990. Genauso lange ist Sandra Keck bereits Ensemblemitglied am Ohnsorg – während ihrer Schauspielausbildung in Hamburg bekam die gebürtige Cuxhavenerin vom damaligen Oberspielleiter Wilfried Dziallas ein Engagement. Und blieb dem Haus treu, obwohl sie immer wieder in Bad Pyrmont spielte.

Mehr als 70 Rollen hat Sandra Keck in ihrer Zeit am Ohnsorg Leben eingehaucht. Von Hanne Schäl in Gerhart Hauptmanns „Fuhrmann Henschel“ über die Marthe in Goethes „Faust“ bis zur Johanna Homann in „Lengen na Leev“ nach Eugene O’Neill. Dafür ­erhielt sie 2014 in Hamburg den Rolf-Mares-Preis als herausragende Darstellerin. „Ich möchte Menschen vor allem unterhalten, damit sie bei uns eine schöne Zeit verbringen“, erläutert ­Sandra Keck ihr künstlerisches Credo. „Das sollte gern komisch sein, kann aber auch mal zu Tränen rühren“, sagt sie. Und Weihnachten sei dafür genau die richtige Zeit.

Für ihr Konzertprogramm hat sie im Ohnsorg bekannte Gäste wie Musical-Darstellerin Tanja Rübcke, Hamburgs US-Soul-Röhre Love Newkirk und Schauspieler-Sänger Joachim „Jogi“ Kaiser engagiert. Überraschungen mit Weihnachtsliedern aus aller Welt und in mehreren Sprachen schließt das keineswegs aus – natürlich auch „op Platt“.

„Plattdüütsch för Anfängers“ braucht die vielseitige Künstlerin nicht mehr. Aber weil sie auch in dem gleichnamigen Stück vom 7. Januar an in einer Doppelrolle mitwirkt, haben schon wieder neue Proben begonnen. Und von Mai 2018 an wird Sandra Keck im Ohnsorg gewiss als Musical-Star groß rauskommen: In „Hallo Dolly“ übernimmt sie die Titelrolle als lebenslustige (und singende) Heiratsvermittlerin.

Um die Kostüme braucht sie sich weder in der Polsterei noch woanders zu kümmern: Gastregisseur Frank Thannhäuser, Chef des Imperial Theaters, ist dafür bekannt, dass er auch die Damen auf der Bühne stets stilvoll ausstattet. Und: Er kann richtig gut nähen.